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Literatur, Fotografie, Theater, Kurzgeschichten und Lyrik: Die Reihe Witnessed schafft Raum für Schwarze Perspektiven auf Deutschland – auf Englisch und damit auch für ein internationales Publikum. Herausgegeben wird die Reihe von Sharon Dodua Otoo in Kooperation mit edition assemblage.
Wer erzählt von Schwarzem Leben in Deutschland?
Wer über Deutschland spricht, spricht aus einer Perspektive.
Wer über Schwarzes Leben in Deutschland spricht, ebenfalls.
Die Buchreihe Witnessed setzt genau hier an. Sie versammelt englischsprachige fiktionale und nichtfiktionale Arbeiten Schwarzer Autor*innen, die in Deutschland leben oder gelebt haben. Herausgegeben wird die Reihe von der Autorin und politischen Aktivistin Sharon Dodua Otoo in Kooperation mit edition assemblage.
Der Name der Reihe ist dabei programmatisch: Witnessed – bezeugt, beobachtet, erfahren.
Im Mittelpunkt stehen nicht Erzählungen über Schwarze Menschen, sondern unterschiedliche Arbeiten, in denen Schwarze Autor*innen, Künstler*innen und Kulturschaffende selbst Perspektiven auf Deutschland, Diaspora, Familie, Rassismus, Kunst, Erinnerung, Zugehörigkeit und Widerstand entwickeln.
Zugleich ist Englisch eine bewusste Verbindung über Deutschland hinaus: Die Reihe macht diese Literatur auch einem internationalen englischsprachigen Publikum zugänglich.
Den Anfang machen große Visionen
Der erste Band der Reihe erschien 2012:
The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World, herausgegeben von Sandrine Micossé-Aikins und Sharon Dodua Otoo.
Das Buch fragt nach der Situation Schwarzer Kulturschaffender in Deutschland – aber bleibt nicht bei Diskriminierung und Ausschluss stehen. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, welche Visionen Schwarze Künstler*innen und Kulturschaffende für egalitärere Gesellschaften, kulturelle Räume und künstlerische Praktiken entwickeln.
Damit war bereits beim Auftakt ein wichtiges Motiv der Reihe gesetzt: Schwarze Perspektiven werden nicht auf Erfahrungen von Rassismus reduziert. Es geht ebenso um Kunst, Handlungsmacht, Zukunft und die Möglichkeit, gesellschaftliche Räume selbst zu gestalten.
Familie, Diaspora und Rassismus: Also by Mail
Also by Mail von Olumide Popoola erschien ebenfalls 2012 als zweiter Band der Reihe.
Das Theaterstück begleitet die deutsch-nigerianischen Geschwister Funke und Wale nach dem Tod ihres Vaters. Ihre Reise nach Nigeria bringt unterschiedliche familiäre Erwartungen, Erfahrungen von Diaspora und Fragen von Zugehörigkeit zusammen.
Gleichzeitig erzählt das Stück von rassistischen Erfahrungen in Deutschland.
Die Familiengeschichte wird damit nicht zur Illustration einer abstrakten Debatte. Vielmehr entstehen gesellschaftliche Fragen aus den Beziehungen, Konflikten und Erfahrungen der Figuren selbst.
Das eigene Bild herstellen: Daima
Mit Daima. Images of Women of Colour in Germany von Nzitu Mawakha rückte die Reihe 2013 die Fotografie ins Zentrum.
Der Band versammelt Schwarz-Weiß-Porträts Schwarzer Frauen, die in Deutschland leben und arbeiten. Mawakhas Fotografien reichen von individuellen Porträts bis zu Bildern von Begegnungen und Gemeinschaft.
Entscheidend ist dabei die Umkehr des Blicks: Die porträtierten Frauen sind nicht lediglich Gegenstand einer Betrachtung. Fotografien und Texte schaffen einen Raum, in dem sie selbst den Blick erwidern und Fragen stellen.
Ein kollektives Selbstporträt – von und für Schwarze Menschen.
Rassistische Gewalt und Erinnerung: The Most Unsatisfied Town
The Most Unsatisfied Town von Amy Evans ist ein Theaterstück, das auf der Geschichte von Oury Jalloh basiert.
Im Mittelpunkt steht Laurence, der in Deutschland Asyl beantragt hat und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Als ein Freund verschwindet und später tot aufgefunden wird, verändert sich sein Blick auf den Ort, den er bereits als neues Zuhause betrachtet hatte.
Der Band verbindet Theater mit Fragen nach Grenzen, Erinnerung, rassistischer Gewalt und gesellschaftlicher Verantwortung.
Viele Geschichten statt einer Schwarzen Erfahrung
2015 erschien Winter Shorts, herausgegeben von Clementine Ewokolo Burnley und Sharon Dodua Otoo.
Die Anthologie versammelt Kurzgeschichten verschiedener Autor*innen, die alle während des Winters in einem deutschsprachigen Land spielen.
Manche Geschichten sind komisch, manche dramatisch, manche traurig. Gerade diese Unterschiedlichkeit ist wichtig.
Denn Winter Shorts widerspricht der Vorstellung, es gebe eine einzige Schwarze Erfahrung, eine einzige Form von Diaspora oder eine einzige Geschichte, die Schwarzes Leben in Deutschland repräsentieren könnte.
Heimat, Erinnerung und Selbstdefinition
Nach einigen Jahren wurde die Reihe 2021 mit Soon, The Future Of Memory von Anja Saleh fortgeführt.
Der Gedichtband beschäftigt sich mit Zugehörigkeit, „home“ und Selbstverständnis aus der Perspektive einer Deutschen afrikanischer Herkunft. Die Gedichte bewegen sich zwischen Afrikanischsein, Arabischsein und Schwarzsein und fragen danach, wie Identitäten angenommen, neu gedacht und selbst definiert werden können.
Die Reihe öffnet sich damit noch deutlicher für poetische und autobiografische Formen.
In Audre Lordes Fußstapfen – und darüber hinaus
Ebenfalls 2021 erschien In Audre’s Footsteps. Transnational Kitchen Table Talk von Heidi Lewis, Jazlyn Andrews und Dana Maria Asbury.
Der Band verbindet Berlin und die USA und richtet den Blick auf Women of Color, die als Pädagoginnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen arbeiten.
Dabei knüpft das Buch ausdrücklich an Schwarze radikale Traditionen und an Personen wie W. E. B. Du Bois, Martin Luther King Jr., Angela Davis und Audre Lorde an, deren Denken und Arbeiten mit Erfahrungen in Berlin verbunden waren.
Im Zentrum stehen Widerstand und Solidarität – aber auch deren Widersprüche. Was bedeutet Solidarität zwischen unterschiedlichen Positionierungen? Wie entstehen Beziehungen über Grenzen hinweg? Und wie können unterdrückende Erzählungen zurückgewiesen und verändert werden?
Die Reihe geht weiter
Aktuell führt edition assemblage auf der Witnessed-Seite auch First Rain Poetry von Stefanie-Lahya Aukongo als Teil der Reihe.
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die von Beginn an zu Witnessed gehört: Die Reihe ist nicht auf ein Genre festgelegt.
Sachtexte stehen neben Theater.
Fotografie neben Kurzgeschichten.
Lyrik neben transnationalen Gesprächen.
Was die Bücher miteinander verbindet, ist keine einheitliche Ästhetik und keine vermeintlich einheitliche Schwarze Erfahrung.
Es ist der Raum für unterschiedliche Schwarze Perspektiven mit Bezug zu Deutschland – und die Möglichkeit, diese auch jenseits des deutschsprachigen Literaturbetriebs zugänglich zu machen.
Witnessed bei edition assemblage
Zur Reihe gehören aktuell auf unserer Website:
Also by Mail
Olumide Popoola
Daima. Images of Women of Colour in Germany
Nzitu Mawakha
The Most Unsatisfied Town
Amy Evans
Winter Shorts
Clementine Ewokolo Burnley und Sharon Dodua Otoo (Hg.)
Soon, The Future Of Memory
Anja Saleh
In Audre’s Footsteps. Transnational Kitchen Table Talk
Heidi Lewis, Jazlyn Andrews und Dana Maria Asbury
First Rain Poetry
Stefanie-Lahya Aukongo
→ Alle Bücher und Informationen zu Witnessed bei edition assemblage
Witnessed: Black Perspectives on Germany – in English
Literature, photography, theatre, short stories and poetry: the Witnessed series creates space for Black perspectives on Germany – in English, making them accessible to an international audience as well. The series is edited by Sharon Dodua Otoo in cooperation with edition assemblage.
Who tells stories about Black life in Germany?
Anyone who speaks about Germany speaks from a particular perspective.
The same is true when speaking about Black life in Germany.
The Witnessed book series begins precisely here. It brings together English-language fiction and non-fiction by Black authors who live or have lived in Germany. The series is edited by author and political activist Sharon Dodua Otoo in cooperation with edition assemblage.
The name of the series is programmatic: Witnessed – observed, experienced, borne witness to.
At its centre are not stories about Black people, but a wide range of works in which Black authors, artists and cultural workers themselves develop perspectives on Germany, diaspora, family, racism, art, memory, belonging and resistance.
English also creates a deliberate connection beyond Germany: the series makes this literature accessible to an international English-speaking audience.
It begins with big visions
The first volume in the series was published in 2012:
The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World, edited by Sandrine Micossé-Aikins and Sharon Dodua Otoo.
The book examines the situation of Black cultural workers in Germany – but it does not stop at discrimination and exclusion. Instead, its central question is what visions Black artists and cultural workers develop for more egalitarian societies, cultural spaces and artistic practices.
From the very beginning, this established an important theme of the series: Black perspectives are not reduced to experiences of racism. The focus is equally on art, agency, the future and the possibility of shaping social spaces.
Family, diaspora and racism: Also by Mail
Also by Mail by Olumide Popoola was also published in 2012 as the second volume in the series.
The play follows the German-Nigerian siblings Funke and Wale after the death of their father. Their journey to Nigeria brings together different family expectations, experiences of diaspora and questions of belonging.
At the same time, the play explores experiences of racism in Germany.
Family history does not become an illustration of an abstract debate. Instead, social questions emerge from the relationships, conflicts and experiences of the characters themselves.
Creating your own image: Daima
With Daima. Images of Women of Colour in Germany by Nzitu Mawakha, the series turned its attention to photography in 2013.
The volume brings together black-and-white portraits of Black women who live and work in Germany. Mawakha’s photographs range from individual portraits to images of encounters and community.
What matters here is the reversal of the gaze: the women portrayed are not simply objects of observation. The photographs and texts create a space in which they themselves return the gaze and pose questions.
A collective self-portrait – by and for Black people.
Racist violence and memory: The Most Unsatisfied Town
The Most Unsatisfied Town by Amy Evans is a play based on the story of Oury Jalloh.
At its centre is Laurence, who has applied for asylum in Germany and is trying to build a new life. When a friend disappears and is later found dead, his view of the place he had already begun to think of as a new home changes.
The book connects theatre with questions of borders, memory, racist violence and social responsibility.
Many stories instead of a single Black experience
In 2015, Winter Shorts, edited by Clementine Ewokolo Burnley and Sharon Dodua Otoo, was published.
The anthology brings together short stories by different authors, all of them set during winter in a German-speaking country.
Some of the stories are funny, some dramatic, some sad. It is precisely this diversity that matters.
Winter Shorts challenges the idea that there could be one single Black experience, one single form of diaspora or one single story capable of representing Black life in Germany.
Home, memory and self-definition
After several years, the series continued in 2021 with Soon, The Future Of Memory by Anja Saleh.
The poetry collection explores belonging, “home” and self-understanding from the perspective of a German woman of African descent. The poems move between Africanness, Arabness and Blackness and ask how identities can be embraced, reimagined and self-defined.
With this volume, the series opens itself even more clearly to poetic and autobiographical forms.
In Audre Lorde’s footsteps – and beyond
Also published in 2021 was In Audre’s Footsteps. Transnational Kitchen Table Talk by Heidi Lewis, Jazlyn Andrews and Dana Maria Asbury.
The book connects Berlin and the United States and focuses on Women of Color working as educators, artists, activists and scholars.
It explicitly draws on Black radical traditions and on figures such as W. E. B. Du Bois, Martin Luther King Jr., Angela Davis and Audre Lorde, whose thinking and work were connected to experiences in Berlin.
Resistance and solidarity are central themes – but so are their contradictions. What does solidarity mean between people with different positionalities? How do relationships emerge across borders? And how can oppressive narratives be rejected and transformed?
The series continues
The Witnessed page at edition assemblage currently also lists First Rain Poetry by Stefanie-Lahya Aukongo as part of the series.
This continues a development that has shaped Witnessed from the beginning: the series is not tied to a single genre.
Non-fiction stands alongside theatre.
Photography alongside short stories.
Poetry alongside transnational conversations.
What connects these books is neither a uniform aesthetic nor the idea of a supposedly uniform Black experience.
It is the space they create for diverse Black perspectives connected to Germany – and the possibility of making these perspectives accessible beyond the German-language literary world.
Witnessed at edition assemblage
The series currently includes the following titles on our website:
The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World
Sandrine Micossé-Aikins and Sharon Dodua Otoo (eds.)
Also by Mail
Olumide Popoola
Daima. Images of Women of Colour in Germany
Nzitu Mawakha
The Most Unsatisfied Town
Amy Evans
Winter Shorts
Clementine Ewokolo Burnley and Sharon Dodua Otoo (eds.)
Soon, The Future Of Memory
Anja Saleh
In Audre’s Footsteps. Transnational Kitchen Table Talk
Heidi Lewis, Jazlyn Andrews and Dana Maria Asbury
First Rain Poetry
Stefanie-Lahya Aukongo
→ All books and information about Witnessed at edition assemblage


