Amadeu Antonio Preis 2019 für HAYMATLOS

27. November 2019

Der mit 1.000 Euro dotiert zweite Preis des Amadeu Antonio Preises ging 2019 an Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan für die Herausgabe des Gedichtbandes HAYMATLOS

„Wir wollen Eure Stimmen hören, wir wollen Eure Geschichten hören und zeigen, dass das ein Teil von Deutschland ist“.
Der Gedichtband HEYMATLOS vereint postmigranitsche Perspektiven auf Rassismus, Migration, Familiengeschichten und der Sehnsucht nach „Normalität“. Perspektiven, die im deutschen Diskurs kaum sichtbar sind. Mit einem offenen Call for Poems wendeten sich die Herausgeber*innen Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan an Menschen, die von Rassismus betroffen sind: „Unser Ziel war es, mit dem Gedichtband einen Schutzraum zu schaffen – einen Schutzraum ‚to go‘“ erklärt Tamer Düzyol. “HAYMATLOS” und nicht “heimatlos”, um nicht alles hinzunehmen und beim Alten zu lassen, sondern um aktiv einzugreifen, zu verändern und Kraft zu schöpfen. Ein Vers gewordener Schutzraum.
„Der Gedichtband zeigt gesellschaftliche Verhältnisse wie Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung an individuellen, kollektiven und historischen Lebensrealitäten auf. „HAYMATLOS“ bringt diverse Autor*innen zusammen, die gesellschaftskritische, emanzipatorische, oft nicht repräsentierte Perspektiven artikulieren.“
Amadeu Antonio Stiftung – Amadeu Antonio Preis 2019 (26.11.2019)

Tamer Düzyol & Taudy Pathmanathan haben das KANAKISTAN-Projekt in Thüringen gegründet, das emanzipierte Perspektiven von (Post)Migrant*innen nach Erfurt bringt und sichtbar macht.

Ihr könnte das Projekt auf Instagram und Facebook folgen:
Instagram: @kanakistan
Facebook: @willkommeninkanakistan

Der Gedichtsband „HAYMATLOS“ ist bei uns hier und in allen Buchhandlungen erhältlich!


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18. November 2019

Unsere neue Vorschau für den Frühjahr 2020 ist da! Ihr findet sie im Buchladen eures Vertrauens, hier drunter als PDF [hier] und alle neuen Titel auch weiter unten!



 

Silvana Schmidt

prekär sein

Eine feministische Einführung in die Prekaritätsdebatte

Paperback | 140x205mm
ca. 112 Seiten Seiten | ca. 10.00€
978-3-96042-078-1 | 2-973
März 2020

Amina Aziz (Hg.)

Encyclopaedia Almanica

Paperback | 140*205mm
ca. 96 Seiten | 9,80€
978-3-96042-073-6 | WG 2-973
ca. Januar 2020

 

Katharina Reul

Schwarz unter weiß

Im Gespräch mit afro-deutschen Zeitzeug*innen über Rassismus in der DDR

Paperback | 140x205mm
ca. 144 Seiten | ca. 14,00€
978-3-96042-079-8 | 2-973
April 2020

Ifeoluwa Aboluwade

Translation, Orature and Multimodality in Selected Plays by Femi Osofisan

Paperback | 140*205mm
ca. 268 Seiten | ca. 20,00€
978-3-96042-075-0 | 2-973
ca. März 2020

Taghrid Elhanafy

Trans*textual Shakespeare:

The Arabic and Persian Pre-texts of Romeo and Juliet
Paperback | 140*205mm
ca. 112 Seiten | ca. 18,00€
978-3-96042-074-3 | 2-973
ca. März 2020

Susan Arndt & Georg Hein (Hg.)

Imagination as Modelling of Knowledge

Mathematics & Literary Studies in Conversation about FutureS
Paperback | 140×205 mm
ca. 128 Seiten | ca. 16,00€
978-3-96042-077-4 | 2-973
März 2020

Susan Arndt and Shirin Assa (Hg.)

Plan(t)ing Afrofuturism

Wanuri Kahiu’s Pumzi and the negotiation of futureS
Paperback | 140×205 mm
ca. 112 Seiten | ca. 16,00€
978-3-96042-076-7 | 2-973
März 2020

 


24. Linke Literaturmesse in Nürnberg von 1.-3. Novemberg

1. November 2019

Hier findet ihr das aktuelle Programm:

www.linke-literaturmesse.de

 

Ihr findet unsere Neuerscheinungen am Gemeinschaftsstand von book:fair.

Unsere Veranstaltungen:

 

Sa. – 13:00 Uhr, Freiraum
Lisa Riedner
Arbeit! Wohnen!
EU-Migrant*innen treten gegen Lohnbetrug und Polizeirepression ein. Sie fordern das Recht auf Existenzsicherung, Freizügigkeit und Wohnraum. Arbeit! Wohnen! handelt von diesen Konfl ikten, die zwischen 2009 und 2014 in München stattgefunden haben. Die Autorin stellt die soziale Frage in transnationale Verhältnisse und kontextualisiert Kämpfe der Migration in den aktuellen Konjunkturen des Kapitalismus. Ergänzend zur Buchvorstellung wird sie auf aktuelle Entwicklungen eingehen.

15:00 Uhr, Ideenreich
Matthias Coers, Peter Nowak
Umkämpftes Wohnen
Neue Solidarität in den Städten In Zeiten gesteigerter Verwertungsinteressen und angespannter Wohnungsmärkte wird die Krise der neoliberalen Vorstellung, die persönliche Wohnungsfrage individuell lösen zu können, schmerzhaft erfahrbar. Dabei entstehen statt Ressentiments Suchbewegungen nach praktischer Solidarität. Peter Nowak und Matthias Coers stellen in ihrem Buch Initiativen aus dem In- und Ausland vor, u.a. Reclaim Gostenhof in Nürnberg.

Son. – 14:00 Uhr, LAB
Max Zirngast
Die Türkei am Scheideweg
und weitere Schriften von Max Zirngast
Max Zirngast, gebürtiger Österreicher, Journalist, Student und sozialistischer Aktivist, ist aus Interesse in die Türkei gezogen, hat sich dessen Sprachen und kulturelle Besonderheiten angeeignet. Aus diesem Blickwinkel heraus hat er zahlreiche politische Artikel verfasst. Er wurde 2018 inhaftiert und erst nach über drei Monaten Gefängnis wieder freigelassen. Das Buch sammelt seine Artikel und liefert Hintergründe zu dem Prozess gegen Max Zirngast.


lila Schrift auf hellgrünem Grund: #Klassismus Beiträge gesucht für Sammelband, an der linken Seite ist ein Stück lila-weißes Schneckenhaus zu sehen

Beiträge gesucht für Sammelband

31. Oktober 2019

Gegen Klassismus aktiv werden! Impulse für eine anti-klassistische Praxis

Klassismus ist die Diskriminierung aufgrund der sozio-ökonomischen Herkunft und richtet sich gegen Angehörige der Arbeiter_innen- und Armutsklasse. Betroffen sind erwerbslose, einkommensarme und wohnungslose Menschen, aber zum Beispiel auch Student*innen aus der Arbeiter*innenklasse. Obwohl viele Menschen Klassismus-Erfahrungen machen, bleibt er als Diskriminierungsform oft unbenannt.

Klassenunterschiede zeigen sich auch in linker und queer-feministischer politischer Praxis. Einige von uns werden Vermögen und Eigentum erben, andere Schulden. Einige haben Vermögen und Bildungsabschlüsse, andere wissen kaum, wie sie über den nächsten Monat kommen sollen. Manche Mittelklasse-Aktivist*innen romantisieren die Arbeiter*innenklasse oder schauen auf sie herab. Wenn Linke über eine neue Klassenpolitik oder eine verbindende Klassenpolitik sprechen, bleibt die politische Praxis meist ausgeklammert.

In unserem Sammelband wollen wir uns daher darauf konzentrieren, wie wir gegen Klassismus aktiv werden können. Welche Beispiele von anti-klassistischen Bewegungen gab es bereits in linken, feministischen und queeren Bewegungen? Wie wurde Umverteilung ganz konkret angestoßen?

Wir möchten insbesondere Aktivist*innen, politische Bildner*innen, Feminist*innen aus der Arbeiter*innen- oder Armutsklasse ermutigen, Beiträge einzureichen. Um Autor*innen ein Honorar für ihren Beitrag zahlen zu können, werden wir ein Fundraising durchführen. Der Sammelband wird im Herbst 2020 bei Edition Assemblage erscheinen.

 

Ihr könnt Beiträge zu folgenden Fragen einreichen:

Wie kam es dazu, dass ihr euch mit Klasse/Klassismus praktisch beschäftigt?

Welche Rolle spielen Klassenunterschiede und Klassismus in eurer politischen Praxis?

Wie thematisiert ihr Klassismus, Klassenprivilegien und Klassenunterschiede in eurer politischen Praxis?

Wie zeigen sich Klassenunterschiede in eurer politischen Praxis? Welche Strategien gegen Klassismus habt ihr entwickelt?

Wie geht ihr mit unterschiedlichen materiellen Ressourcen um? Welche Formen der Umverteilung habt ihr entworfen?

Wie überschneidet sich Klassismus, mit anderen Diskriminierungsformen wie (Hetero)Sexismus, Rassismus, Ableismus oder Alter in eurer Praxis?

Welche Herausforderungen erlebt ihr in eurer Arbeit?

Gebt Bescheid, wenn ihr lieber interviewt werden wollt, anstatt selbst einen Beitrag zu schreiben!

 

Zu den Herausgeber*innen:

Brigitte Theißl ist Redakteurin beim feministischen Magazin an.schläge und schreibt für verschiedene Medien (u.a. Diestandard). Als Journalistin und Erwachsenenbildnerin arbeitet sie zu den Themen queer-feministische Bewegungen, Innenpolitik Netzkultur, soziale Ungleichheit und Klassismus.

Francis Seeck ist Autor*in, politische Bildner*in und Doktorand*in und arbeitet zu den Themen Klassismus, Geschlechtliche Viefalt und Prekarität. Francis ist aktiv beim Institut für Klassismusforschung, ein Netzwerk von politischen Bildner*innen und Wissenschaftler*innen aus der Arbeiter*innen oder Armutsklasse.

Bitte schickt uns eure Ideen (gerne bis zu 1 Seite) bis zum 1. Dezember an francis.seeck@gmx.de


Die edition assemblage erhält den Deutschen Verlagspreis 2019

16. Oktober 2019

Wow, wir können es noch gar nicht fassen. Neben 63 anderen tollen unabhängigen Verlagen bekommen wir den deutschen Verlagspreis verliehen. Das heißt konkret 15.000 Tacken für tolle neue Projekte und wichtiges Händegeschüttel.
Höchste Zeit, um einmal Danke zu sagen an alle, die die edition assemblage zu dem machen, was sie ist. Danke an alle Herausgeber*innen, Autor*innen, Grafiker*innen, an alle unterstützenden und beratenden Menschen, an lokale, überregionale und globale linke Strukturen und Bewegungen, an alle solidarischen Kollektive und Medien, Messe und Veranstaltungsorganisator*innen, Rezensent*innen, Buchhändler*innen, Drucker*innen und Vertriebler*innen, Vertreter*innen & Leser*innen.
Danke an alle, die uns dabei unterstützen, Bücher zu den Themen Queerfeminismus, Antirassismus, Anti-Ableismus, Antifaschismus, Antirassismus, kritische Aufarbeitung linker Geschichte, neue Formen politischen Aktivismus und zivilen Ungehorsams, Hausbesetzung, u.v.m. zu machen. Und danke an all die, die uns unsere Leerstellen aufzeigen und zum Reflektieren anhalten.
Danke an alle, die uns dazu verhelfen, ein kollektives, emanzipatorisches Projekt mit gewaltfreien und antiautoritären Strukturen zu sein und zu bleiben.
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[Bildbeschreibung: Auf einem weißen Blatt stehen in Computerschrift die Namen von 18 Verlagen. Edition Assemblage steht mittig und ist mit gelbem Texmarker markiert. Auf dem Zettel liegt verstreut buntes Konfetti.]

Quelle: Instagram hier

Termin:
Freitag – 18.10.19 – ab 18 UHR
Zusammen mit 60 weiteren Verlagen erhält die edition assemblage den Deutschen Verlagspreis 2019
Frankfurt Pavilion auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse [Blog]

Pressemitteilung: [PDF]


Frankfurter Buchmesse 16. – 20. Oktober

13. Oktober 2019

Besucht uns!
Frankfurter Buchmesse
16. – 20. Oktober | Stand 4.1 D59

Ihr findet uns am Gemeinschaftsstand der book:fair Verlage (edition assemblage, edition av und AG SPAK) in der Halle 4.1 Stand D59.

Termine:

Donnerstag ∙ 17.10.19 ∙ 15h-16 UHR
Max Zirngast – Die Türkei am Scheideweg
am Stand 4.1 D59

Donnerstag ∙ 17.10.19 ∙ 20:00 UHR
Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei & Max Zirngast. Die Türkei am Scheideweg
Café ExZess, Leipziger Straße 91

Freitag – 18.10.19 – ab 18 UHR
Zusammen mit 60 weiteren Verlagen erhält die edition assemblage den Deutschen Verlagspreis 2019
Frankfurt Pavilion auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse [Pressemitteilung]

Samstag ∙ 19.10.19 ∙ 19.30 bis 22.30 UHR
Umkämpftes Wohnen – Neue Solidarität in den Städten
SYNNIKA, Niddastr. 57

Samstag ∙ 19.10.19 ∙ 22.30 UHR
Lange Lesenacht der Gegenbuchmasse
Fighting for spaces, Fighting for our lives – Squatting Movements today
Café ExZess, Leipziger Straße 91

Wir präsentieren unsere Neuerscheinungen!

Riot Skirts [Hg.]
Queerfeministischer Taschenkalender 2020
240 Seiten | 7.80€
978-3-96042-059-0

Lea Dickopf
Positive Mutterschaft
Vom Leben mit Kind und HIV
144 Seiten | 12,80€
978-3-96042-064-4

Esto Mader, Cora Schmechel, Kim Kawalska, Alex Steinweg (Hg.)
Gegendiagnose II
Beiträge zur radikalen Kritik an Psychologie und Psychiatrie
288 Seiten | 19,80€
978-396042-063-7

LEONA Games GmbH
FAMILY Coloring Book
32 Seiten | 5.90€
978-3-96042-062-0

Solidaritätskampagne #FreeMaxZirngast (Hg.)
Die Türkei am Scheideweg
und weitere Schriften von Max Zirngast
432 Seiten | 12,50€
978-3-96042-060-6

Ismail Küpeli (Hg.)
Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei
128 Seiten | 7.80€
978-3-96042-051-4

Céline Barry
Toubabesse – Wie Bildung Frauen koloniale Macht verleiht
Alltagssoziologische Analysen aus Berlin, Dakar und Dazwischen
312 Seiten | 18.00€
978-3-96042-052-1

Hannah C. Rosenblatt
aufgeschrieben
96 Seiten | 15.00€
978-3-96042-053-8

Mai-Anh Boger
Politiken der Inklusion
Die Theorie der trilemmatischen Inklusion zum Mitdiskutieren
182 Seiten | 14.00€
978-3-96042-054-5

Mai-Anh Boger
Theorien der Inklusion
Die Theorie der trilemmatischen Inklusion zum Mitdenken
435 Seiten | 24.00€
978-3-96042-056-9

Mai-Anh Boger
Subjekte der Inklusion
Die Theorie der trilemmatischen Inklusion zum Mitfühlen
238 Seiten | 16.00€
978-3-96042-055-2

Julia Dittmann
Ent-Täuschung des weißen Blicks
Rassismussensible Strategien für eine ideologiekritische Filmanalyse
598 Seiten | 38.00€
978-3-96042-044-6

In Kürze erscheinen:

Ika Elvau
Identitätskrise 2.0 oder eine Analyse meiner linken DNA
Neues aus dem Tagebuch eines Hermaphroditen
176 Seiten | 12.80€
978-3-96042-072-9

Lou Conradi
Baby Butch
Roman
ca. 242 Seiten | ca. 14.80€
978-396042-070-5

FaulenzA
Reclaim the Stage!
Meine Lieder, Gedichte und Geschichten
ca. 160 Seiten | ca. 14,80€
978-396042-069-9

Alexander Bulk
BILD dir deinen Hass
Wie die Bild-Zeitung gegen Geflüchtete und People of Color schreibt
128 Seiten | 12.80€
978-3-96042-057-6

Peter Nowak und Matthias Coers
Umkämpftes Wohnen
Neue Solidarität in den Städten
978-3-96042-017-0


Nachruf für Felicita Reuschling

1. Oktober 2019

Nachruf für Felicita Reuschling

Von Genoss*innen, Freund*innen, Weggefährt*innen

Dieser Text ist ein Nachruf in Erinnerung an die kuratorische, theoretische und politische Arbeit unserer Genoss*in, Freund*in und Weggefährt*in Felicita Reuschling, die leider viel zu früh nach einer kurzen heftigen Krankheit am 29. Juni 2019 in Berlin verstorben ist.

Utopien entstehen in Zeiten sozialer Bewegung, wenn die Gesellschaft in eine Krise gekommen ist oder gesellschaftliche Umbrüche sich ankündigen. Sie stehen in einem problematischen Verhältnis zur Realität, fungieren aber als eine Art negativer Spiegel des Bestehenden, von dem sie sich abgrenzen.“

Diese Zeilen schrieb Felicita Reuschling in einem Text für den Ausstellungskatalog zu „domestic utopias“ (2013). Utopien trieben Felicita Reuschling um: Utopien des Wohnens und Zusammenlebens, die auf eine Gesellschaft jenseits der Trennung von Öffentlichem und Privatem, von Produktion und Reproduktion verweisen; Utopien, die eine Welt erfinden jenseits der Schranken der Institution Familie, jenseits ihrer Herrschaftsmechanismen, Arbeitsteilungen und entpolitisierten Privatheit.

Es passte zu diesen großen Fragen, dass Felicita Reuschling sie nicht im Rahmen einer einzigen, professionalisierten Disziplin bearbeitete, sondern dass sie kuratorische Arbeit mit politischem Aktivismus, theoretisches Schreiben mit kollektiver Herausgeber*innenschaft verband. Unten haben wir eine sicher unvollständige Liste von Ausstellungen, Veranstaltungsprogrammen, Texten und Herausgeber*innenschaften zusammengestellt.

Felicitas Arbeiten kreisten um die Frage, wie reproduktives Arbeiten heute queerfeministisch und marxistisch zu analysieren ist – sei es Sorge- und Hausarbeit oder auch das Kinderbekommen: Wie verschiebt sich Reproduktionsarbeit in einer Phase ihrer zunehmenden Kommodifizierung in postfordistischen Zeiten im globalen Maßstab? Wie müssen wir feministisch-materialistische Theoriekonzeptionen überdenken angesichts der Zunahme bezahlter migrantischer Haushaltsarbeit oder auch angesichts des globalen Bedeutungsgewinns des Leihgebärens? Wie können wir das Verhältnis von Körper und Arbeit denken, wenn Produktivität direkt in den Körper hineinverlegt wird? Inwiefern ist die Kontinuität geschlechtlicher Arbeitsteilung unauflöslich mit rassistischen, klassenhierarchischen und auch ableistischen Strukturen verbunden? Wie kann Reproduktionsarbeit als spezifisches kapitalistisches soziales Verhältnis verstanden werden und somit auch als ein Verhältnis, das überwunden werden kann? Welche kollektiven Praktiken verweisen heute schon auf dieses Projekt der Überwindung? Aber auch: Welche Utopien sind angesichts einer aktuellen Phantasielosigkeit wieder in Vergessenheit geraten? Und was können wir davon lernen, wenn wir an feministische Arbeiten aus den 1960er und 1970er Jahren erinnern – oder auch an den sozialistischen Feminismus Anfang der 20. Jahrhunderts?

Felicitas Neugier auf Utopien liefen nie Gefahr, Machtverhältnisse im Hier und Jetzt aus dem Auge zu verlieren. Der Blick auf Utopien als „negativer Spiegel“ galt vielmehr einerseits dem Interesse, ein Korrektiv in der analytischen zeitdiagnostischen Arbeit zur Verfügung zu haben, zum anderen aber auch, die Fluchtlinien aktueller Suchen nach Kollektivität und Commons zu verstehen – oder auch, wenn es an Utopien eher mangelt, deren Fehlen als ebenso aufschlussreich zu untersuchen. So beobachtete sie 2015 in einem Aufsatz, in dem sie von einem aktuellen Zustand der Postutopie sprach, dass heute die Unhinterfragbarkeit des Lebensmodells Familie einhergehe mit einer enormen Dynamik reproduktionstechnologischer Entwicklungen, die deswegen eben gerade nicht in Richtung Utopie verwiesen.

Der Erfolg des Geschäftsmodells Fruchtbarkeitsindustrie baut gerade auf der Sentimentalisierung einer Lebensform auf, für die es keine Alternative zu geben scheint.“ Und weiter: „Diese scheinbare Alternativlosigkeit kann aber nicht den Wünschen der konkreten Individuen und Technologien vorgeworfen werden, sondern muss in Konstellation mit den gesellschaftlichen Verhältnissen analysiert werden, die diese Zwanghaftigkeit als Normalität nahelegen.“ (2015: 135/136)

In ihrer Suche nach adäquaten theoretischen Zugängen zu dieser gesellschaftlichen Zwanghaftigkeit war Felicita maßgeblich daran beteiligt, einige Theoretikerinnen im deutschen Sprachraum (wieder) bekannt zu machen und trug dazu bei, dass deren Arbeiten heute viel diskutiert werden. Für die Herausgeber*innen-Gruppe Kitchen Politics organisierte sie den Kontakt zu der feministisch-marxistischen Theoretikerin Silvia Federici und ermöglichte, dass deren Texte in dem Band „Aufstand aus der Küche“ ins Deutsche übersetzt wurden. Und sie lud Silvia auch mehrmals nach Berlin ein und organisierte Diskussionsveranstaltungen und Workshops mit ihr. Für einen weiteren Band von Kitchen Politics setzte sie sich dafür ein, dass die Arbeiten von Melinda Cooper und Catherine Waldby zu aktuellen Dimensionen von Biotechnologie und Bioökonomie in die deutsche feministisch-marxistische Debatte um Reproduktionsmedizin eingebracht werden – und auch Melinda band Felicita in Diskussionsrunden ein.

Felicita Reuschling engagierte sich in einer Vielfalt politischer, redaktioneller und kuratorischer Initiativen und Gruppen. Wie beispielsweise in Stadt von Unten, der Quecke, der Jour Fixe Initiative, einer Wohnprojektinitiative, in der Gruppe wie wollen wir zusammenarbeiten, in einer feministischen Gesundheitsrecherchegruppe, in AK Reproduktion, in der Gruppe Rote Sonne, dem Kitchen Politics Kollektiv, alpha nova & galeria futura.

Felicita behielt in all diesen Gruppen eine gewisse Skepsis und Distanz zu vereinfachenden oder auch tagespolitischen Forderungen, Statements oder Konzepten bei: Sie enthielt sich beispielsweise bewusst einer politischen Positionierung, ob und wie denn heute Reproduktionstechnologien staatlich reguliert werden könnten oder sollten. Aber auch in kollektiven Projekten des gemeinsamen Wohnens und Lebens hinterfragte sie immer wieder einmal Situationen, in denen ihr etwas als zu einfach gedacht vorkam oder in denen sie eine nur oberflächliche Harmonie vermutete – und riskierte es dafür auch, anzuecken.

Wir sind nur eine mögliche Zukunft. Verstehst Du?“ Dieses Zitat fanden Genoss*innen in einem Roman von Felicitas Lieblingsautorin Marge Piercy und verwandten es für die Traueranzeige für Felicitas Beerdigung am 30. Juli 2019. Und weiter: „Nichts ist erledigt. So viel mehr hätte noch gemeinsam erdacht, erkundet, geschrieben, erkämpft und gefeiert werden sollen. Über so vieles wollten wir zusammen noch lachen und streiten.“

Heute bleibt uns, die Utopien und deren negative Spiegel in der Rezeption von Felicita Reuschlings Arbeiten weiter zu erforschen und vielen offenen Fragen in unseren Diskussionen mit Felicita weiter nachzugehen beim Stöbern, Lesen, Schauen und Hören in ihren Arbeiten.

Hier eine (unvollständige) Liste von Ausstellungen, Veranstaltungsreihen, herausgegebenen Büchern, Texten und Vorträgen von Felicita Reuschling

Ausstellungen und Veranstaltungsprogramme

2019: Feministische Wohngeschichte(n) für die Zukunft. Berlin, Bauhaus und darüber hinaus, alpha nova & galerie futura, 2019. Eröffnung 6.9.19, Laufzeit: 7.9.-18.10.2019 (https://www.galeriefutura.de/feministische-wohngeschichten-fu%CC%88r-die-zukunft-berlin-bauhaus-und-darueber-hinaus/)

2017: Working Bodies. Workshop Reihe Kitchen Politics-Queerfeministische Interventionen (http://www.viertewelt.de/archiv/kleine_formate/2017/working_bodies_2017.html).

2016: Feministische Manifeste: Eine Anleitung zur utopischen Spekulation, gemeinsame Lektüre- und Diskussionsabende, alpha nova & galerie futura.

2015: „Feminist Stories. Strategien der Wieder/aneignung, Präsentationen und Gespräche, Vierte Welt (http://www.viertewelt.de/archiv/kleine_formate/2015/feminist_stories_reihe.html)

2013: Counterplanning from the kitchen. Feministischer Film als politische Praxis, Oktober – Dezember 2013, Berlin (https://top-berlin.net/de/termine/berlin/counterplanning-from-the-kitchen)

2013 Domestic Utopias, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst nGbK. (https://archiv.ngbk.de/projekte/domestic-utopias/)

2011: Ausstellung Beyond Re/Production Mothering, Kunstraum Kreuzberg. (http://www.kunstraumkreuzberg.de/prog_3.html)
Herausgeberinnenschaften

2015: Kitchen Politics (Hg.): Melinda Cooper, Catherine Waldby, Felicita Reuschling, Susanne Schultz: Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Biotechnologie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert, edition assemblage.

2012: Kitchen Politics (Hg.): Sivia Federici: Aufstand aus der Küche. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution, edition assemblage.

 

Texte

2019: Das Bauhaus und die Wohnungsfrage, in: Bernd Hüttner ·Georg Leidenberger (Hrsg.)100 Jahre Bauhaus. Vielfalt, Konflikt und Wirkung, Metropol Verlag, S: 251-265 https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Themen/GK_Geschichte/Texte/bauhaus_buch_leseprobe.pdf.

2018: Soziale Wohnutopien 68. everything must change. In: sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung, 6 (2/3), S 159-172

2017: Eine feministische Perspektive für Berlin heute. Kommentar zu Dolores Haydens „Wie könnte eine nicht-sexistische Stadt aussehen?” (1981) in: sub/urban, Bd 5, Nr. 3, S. 115-124, (https://zeitschrift-suburban.de/sys/index.php/suburban/article/view/319/540)

2016: Beyond (Re-)Production. Feministische Utopien im 20. Jahrhundert, in: Berliner Debatte Initial, 27. Jg., S. 73 – 84,(http://www.rla-texte.de/wp-content/uploads/2010/10/2016-2-Land.pdf.)

2016: Sie nennen es leben wir nennen es Arbeit. Biotechnologie Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert, in: Deiss, Amely ua. (Hg.). Dicker als Wasser. Konzepte des Familiären in der zeitgenössischen Kunst. Ausstellungskatalog, S. 186-193 (https://www.snoeck.de/book/414/Dicker-als-Wasser)

2015: Realistischer Kapitalismus, Postutopie und die heilige Familie in: Kitchen Politics (Hg.): Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Biotechnolgoie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert, edition assemblage, S. 127-143.

2014: Motive des Scheiterns und Funktionierens. Eine kritische Geschichte utopischer Familienentwürfe, in: phase 2, Nr 49, (https://phase-zwei.org/hefte/artikel/motive-des-scheiterns-und-funktionierens-496/)

2014: Neue Wohnformen für den neuen Menschen. Care Feministische Wohnutopien des 20. Jahrhunderts, ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis, Nr. 591, 18.2.2014, (https://www.akweb.de/ak_s/ak591/23.htm)

2013: Domestic Utopias. Erst der Abwasch und dann die Revolution, in: Jour Fixe Initiative Berlin (Hg.): Etwas fehlt: Utopie, Kritik und Glücksversprechen, S. 151-176

2013: Domestic Utopias, In: nGbK (Hg.): Katalog zu Ausstellung Domestic Utopias, Berlin, S. 28-43.

2010: Familie im Kommunismus. Zur Abwertung reproduktiver Arbeit und der Fortschreibung kapitalistischer Geschlechterarrangements in der Sowjetunion, in: Phase 2, Nr. 36 (https://phase-zwei.org/hefte/artikel/familie-im-kommunismus-177/)

2000: Shareholder-Proletariat. Der Tarifabschluss der Metall- und Elektrobranche in Nordrhein-Westfalen setzt neue Maßstäbe in der kapitalistischen Teamfähigkeit der Gewerkschaften, jungle world, 5.4.2000, (https://jungle.world/artikel/2000/14/shareholder-proletariat)

1999: DGB-Linke nach dem Krieg. Zivil gegen Krieg, jungle world, 15.9.1999, (https://jungle.world/artikel/1999/37/zivil-gegen-krieg)

1999: Working and Poor. Auf zu neuen Ufern: Mit dem Kombilohn werden die Tarifpartner im Bündnis für Arbeit einen neuen Niedriglohnsektor durchsetzen, jungle world, 8.9.1999, (https://jungle.world/artikel/1999/36/working-and-poor)
o.D: Produktives Gebären: Elemente einer feministischen Ökonomiekritik, in: Outside the Box Nr. 3, Gebären, https://www.outside-mag.de/issues/3/posts/27

 

Vorträge, Veranstaltungen, Radiobeiträge

2019: How to disrupt yourself. Life in the entrepreneurial home, discussion, 3.2.2019, transmediale, (https://transmediale.de/content/how-to-disrupt-yourself-life-in-the-entrepreneurial-home)

2019: Über die Emanzipation der Frauen in der Russischen Revolution, in: 15.01.2019 09:00 Uhr Morgenlatte – Theoriegewichse vom Feinsten, radio corax, https://www.freies-radio.de/sendungsdetails/201901150900

2018: Workshop: 1968: Wohnungsfrage – Bericht zum Workshop am 3. + 4. Mai 2018 an der Bauhaus-Universität Weimar (https://www.uni-weimar.de/de/architektur-und-urbanistik/professuren/stadtplanung/forschung-und-projekte/nachwuchsforscherinnengruppe-soziale-wohnraumversorgung/workshopreihe-20182019/bericht-1968-wohnungsfrage/)

2018: Oktoberrevolutionsrevue Teil 4: Felicita Reuschling über Alexandra Kollontai, Rosa Luxemburg Stiftung Mediathek, (https://www.helle-panke.de/de/article/1389.oktoberrevolutionsrevue-teil-4-felicita-reuschling-ueber-alexandra-kollontai.html)

2018: Kommunistka. Von Geschlechter-, Liebes- und Reproduktionsverhältnissen. Vortrag mit Diskussion im Rahmen der Reihe: „Vorwärts und nicht vergessen“ – zu Folgen, Aktualität und kritischer Rezeption der Oktoberrevolution. (https://soundcloud.com/krevleipzig/felicita-reuschling-kommunistka?in=krevleipzig/sets/vorwaerts-und-nicht-vergessen)

2018: Sozial Wohnutopie 68, Vortrag 24.10.2018, Rosa Luxemburg Stiftung, (https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/6AQV7/sozial-wohnutopie-68/)

2018: Geschlechterutopien in der Oktoberrevolution. Vortrag im Rahmen der selbstorganisierten Ringvorlesung “Kommunismus? Zur Geschichte der linken Kritik am real existierenden Sozialismus”, Wien, 12.06.2018, (https://zeit.diebin.at/events/3128).

2017: Über die Fortsetzung kapitalistischer Geschlechterarrangements in der Sowjetunion – Gespräch mit Felicita Reuschling, Mediathek radio corax, (https://radiocorax.de/ueber-die-fortsetzung-kapitalistischer-geschlechterarrangements-in-der-sowjetunion-gespraech-mit-felicita-reuschling/)

2017: Moderation der Veranstaltung mit Melinda Cooper: Family Values, Marx Herbstschule, Berlin, 28.10.2017, Mediathek: (https://marx200.org/mediathek/melinda-cooper-family-values)

2016: Künstlerinnen International, Präsentation und Gespräch mit der Künstlerin Michaela Melián, alpha nova & galerie futura

2016: Alexandra Kollontai und die neuen Lebensformen im Kommunismus Vortrag und Diskussion mit Felicita Reuschling, 3. 11. 2016, (http://l50.wohnopolis.de/alexandra-kollontai-und-die-neuen-lebensformen-im-kommunismus-vortrag-und-diskussion-mit-felicita)

2016: Kitchen Politics – Buchvorstellung und Diskussion, 10.2.2016 in Frankfurt, Karl Marx Buchhandlung, (https://karl-marx-buchhandlung.de/www/10-02-16-20-uhr-kitchen-politics-buchvorstellung-und-diskussion-mit-felicita-reuschling-und-susanne-schultz/)

2016: Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Arbeitsverhältnisse und politische Perspektiven in der Reproduktionsmedizin. Workshop an der Universität Wien, 14.10.

2016 (https://wien.gbw.at/veranstaltungen/ereignisansicht/event/sie-nennen-es-leben-wir-nennen-es-arbeit-arbeitsverhaeltnisse-und-politische-perspektiven-in-der-re/)

2016: Marxistischer Feminismus: reproduktive Arbeiten, Biotechnologien und Familie im Neoliberalismus, 18.01. 2016, Göttigen, (https://www.uni-goettingen.de/de/wise+2015/16/529653.html)

2015: Permanente Reproduktion der Differenzen, mit Sarah Speck, Jour Fixe Veranstaltung, 07. 6. 2015, Berlin, (http://www.jourfixe.net/termin/2015/permanente-reproduktion-der-differenzen)

2014: Utopias – Feministische Wohnutopien der Moderne revisited, workshop auf dem BUKO (Bundeskongress Internationalismus) 36 in Leipzig, https://www.buko.info/artikel/1389-wir-lueften-den-vorhang)

2013: Aufstand aus der Küche“, Moderation der Lesung mit Silvia Federici (vorwiegend in englischer Sprache), 7.5.2013 k-fetisch, Berlin. (http://kfetisch.blogsport.de/2013/05/07/aufstand-aus-der-kueche-lesung-mit-silvia-federici-vorwiegend-in-englischer-sprache/)

2012: Moderation des Vortrags Silvia Federici – Das Unsichtbare sichtbar machen im Rahmen der Luxemburg Lecture, Reproduktionsarbeit, Biotechnologie und geschlechtliche Arbeitsteilung mit Silvia Federici und Melinda Cooper, 04.07.2012 (https://www.youtube.com/watch?v=4XdtXY_8Eos)

 


26. Juli 2019

Wir suchen Verstärkung für unser Verlagskollektiv in Münster zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Wir suchen eine Person, die alle oder einige der folgenden Voraussetzungen mitbringt:
Lust auf das Arbeiten im Kollektiv
Erfahrungen im Verlagswesen und/oder mit linken Medien
Interesse an/Kenntnisse in den Themenbereichen e-book und Wissenschaftspublikationen
Erfahrungen im Berufsalltag, idealerweise im Büro
Verständnis von betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen
Kenntnisse in der Websitebetreuung und mit Büroprogrammen
Lust auf das Entwickeln neuer Buchreihen und Formate
Sensibilität für Privilegien, Diskriminierungen und Machtstrukturen
Erfahrungen mit Marketing (Newsletter, Social Media, etc.)
Erfahrungen mit und Freude an Technikkram

Wir bieten:
eine 20-25h/Woche – Stelle mit flexiblen/selbst bestimmten Arbeitszeiten
selbstständiges Arbeiten
politische, kreative, kollektive und abwechslungsreiche Arbeit
lange Plena mit spannenden Diskussionen
einen schönen Arbeitsplatz, den wir uns mit dem Kollektiv „roots of compassion“ teilen
einen wertschätzenden Umgang

Die Stelle ist zunächst für ein Jahr befristet.

Bewerbungsschreiben und Lebenslauf bitte bis zum 30.09.2019 als PDF an bewerbung@edition-assemblage.de
Schreib dort auch gerne, welche Bedürfnisse du in punkto Barrierefreiheit hast. Dann können wir uns direkt darüber austauschen und gemeinsam schauen was möglich ist.
Bewerbungen von BIPOC, Menschen mit Behinderung und FLINT Personen werden bei gleicher Eignung bevorzugt.

Wir, die edition assemblage, sind ein sehr aktives und noch junges, linkes Verlagskollektiv. Mit unserer Arbeit kämpfen wir dafür, dass sich gesellschaftlich – auch in der Linken, auch anarchistisch, kommunistisch und poststrukturalistisch – ganz grundlegend mit Themen wie Queerfeminismus, Antirassismus, Antisemitismus, Antifaschismus, Ableismus, Klassismus und Antikapitalismus auseinandergesetzt wird. Mehr Infos zu uns findest du unter: https://www.edition-assemblage.de/

PDF der Ausschreibung


Sharon Dodua Otoo

1. Juli 2019

[Presseinfos]

Wir gratulieren unsere Autorin zum Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises 2016!

© 2014 Ralf Steinberger (Autorinfotos in Druckqualität hier und hier)

“Die Nominierung ist auch eine Wertschätzung für den bislang im deutschsprachigem Literaturbetrieb noch ungewöhnlichen Weg des Verlages, tatsächliche Expert*innen gesellschaftlicher Widersprüche und Herausforderungen auf hohem Niveau literarisch zu Wort kommen zu lassen” Willi Bischof, edition assemblage (Mai 2016).

Von der edition assemblage freuen wir uns sehr, dass mit der Auszeichnung des mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preises für Sharon Dodua Otoo eine wichtige Perspektive unserer Verlagsarbeit eine derart große und breite Bühne erfährt.  Herzlich gratulieren wir Sharon, sowie den weiteren preistragenden Dieter Zwicky (Kelag-Preis), Julia Wolf (3Sat-Preis) und Stefanie Sargnagel (Publikumspreis).

Medienanfragen bitte an: bookings@sharonotoo.com
Alle Lesungen und weitere Veranstaltungen: Termine von Sharon Dodua Otoo
Bücher bestellen: Bücher von Sharon Dodua Otoo

 

Pressespiegel: Ingeborg-Bachmann-Preis 2016 (Auswahl)

Sharon Dodua Otoo nahm 2016 am „40. Tagen der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt teil.  Vierzehn teilnehmenden Autor*innen sind für den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert worden. Am 3. Juli wurde der Preis an Sharon Dodua Otoo für den Beitrag „Herr Gröttrup setzt sich hin“ vergeben. Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Eingeladen wurde Sharon Dodua Otoo von der FAZ-Redakteurin Sandra Kegel.

„Wir können sprachlich viel mutiger sein – noch bin ich ganz zahm“. Interview mit Marie-Sophie Adeoso. 15. Juli 2015. Frankfurter Rundschau (FR).
Black British writer wins major German-language fiction award. Philip Oltermann. 12. Juli 2016. The Guardian, London.
* “Wer will schon ein Ei sein?” Porträt. Von Elisa von Hof. 8. Juli 2016. Morgenpost, Berlin.
Eine Cinderella-Story. Sharon Dodua Otoo im Interview mit Holger Heimann. 5. Juli 2016. boersenblatt.net.
Mehr als nur ein Ei. Kommentar von Kathrin Gottschalk. 4. Juli 201t. die tageszeitung (taz), Berlin.
Ein Weichei macht Geschichte. Von Roman Bucheli. 4. Juli 2017. Neue Zücher Zeitung (NZZ)..
Deutsche Geschichte mit leichter Hand erzählt. Von Kolja Mensing. 3. Juli 2016. Deutschlandradio Kulur.
Kritiker schwärmen von Otoos Frühstücksei. Pressestimmen. Von Tobias Wenzel. 3. Juli 2016. Deutschlandradio Kulur.
Klagenfurt kreißt und legt ein Ei. Von Tilman Spreckelsen. 3. Juli 2016. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).
Manchmal wache ich auf und denke: Heute bin ich ein Ei. Von Jürgen Kaube. 5. Juli 2016. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).
Kulturzeit-Gespräch mit Sharon Dodua Otoo. Kulturzeit. 6. Juli 2016. 3Sat
‘As a Black person in a white society, I can have an impact,’ says author Sharon Dodua Otoo. Interview with Courtney Tenz. 6. Juli 2016. Deutsche Welle (DW)

Links:

* web: www.sharonotoo.com
* blog: witnessed-series.blogspot.de
* publisher: www.edition-assemblage.de/sharon-dodua-otoo
* tddl: www.bachmannpreis.orf.at/stories/2773160/
* soundcloud: www.soundcloud.com/sharondoduaotoo
* facebook: www.facebook.com/sharondoduaotoo
* twitter: @sharondoduaotoo
* instagram: www.instagram.com/sharondoduaotoo
* books: www.edition-assemblage.de/books-by-sharon-dodua-otoo

 

Ausführliche Informationen über Sharon Dodua Otoo

Sharon Dodua Otoo, geboren 1972 in London, ist ghanaisch-britische Mutter, Aktivistin, Autorin und Herausgeberin der in edition assemblage erscheinenden, englischsprachigen Buchreihe „Witnessed“. Sie veröffentlichte ihre erste Novelle mit dem Titel „the things i am thinking while smiling politely“ in 2012. Die deutschsprachige Übersetzung „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ erschien 2013 ebenfalls, wie alle ihre Bücher, beim Verlag edition assemblage. Ihre jüngste Novelle „Synchronicity“ wurde 2014 auf Deutsch und 2015 auf Englisch veröffentlicht. Sharon lebt, lacht und arbeitet in Berlin.

Ihr kreatives Schreiben ist vom Magischen Realismus und Afrofuturismus geprägt. Wiederkehrende Themen sind Empowerment, Beziehungen und Identitätsverwandlungen.

Arbeit als Publizistin:
Sharon Dodua Otoo ist Herausgeberin der Reihe „Witnessed“ Bislang sind fünf Bücher in der Reihe erschienen.
Von ihr erscheinen Artikel und Kommentare u.a. in Missy Magazine, an.schläge, ak analye & kritik, dem Tagesspiegel und African Courier.

Arbeit als Kuratorin/Ausstellerin:
Sharon Dodua Otoo ist Kuratorin der Ausstellung „Daima. Images of Women of Colour in Germany“.

Arbeit als Aktivistin:
Sharon Dodua Otoo ist Mitglied von Phoenix e.V. und der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) e.V. und war in den Jahren 2010-2013 im ISD-Vorstand aktiv.

Arbeit als Autorin und Herausgeberin:
Novellen
* Otoo, Sharon Dodua (2015) Synchronicity. The Original Story. (Münster: Edition Assemblage)
* Otoo, Sharon Dodua (2014) Synchronicity (Münster: Edition Assemblage) (Aus dem englischen von Mirjam Nuenning).
* Otoo, Sharon Dodua (2013) die dinge, die ich denke während ich höflich lächle (Münster: Edition Assemblage) (Aus dem englischen von Mirjam Nuenning).
* Otoo, Sharon Dodua (2012) the things i am thinking while smiling politely (Münster: Edition Assemblage)

Herausgebene Bücher
* Burnley, Clementine und Otoo, Sharon Dodua (Hrsg.) (2015) Winter Shorts (Münster: Edition Assemblage)
* Micossé-Aikins, Sandrine und Otoo, Sharon Dodua (Hrsg.) (2012) The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World (Münster: Edition Assemblage)

Kurzgeschichten
* Byakuleka, Bino Byansi und Otoo, Sharon Dodua (2015) “The Romantics and the Criminals” in Burnley, Clementine und Otoo, Sharon Dodua (Hrsg.) Winter Shorts (Münster: Edition Assemblage), S.37-44
* Otoo, Sharon Dodua (2015) “Whtnacig Pnait (Watching Paint)” in Burnley, Clementine und Otoo, Sharon Dodua (Hrsg.) Winter Shorts (Münster: Edition Assemblage), S.67-78
* Anon. (2015) “Ask Auntie D” in Koepsell, Philipp Khabo (Hg.) The Afropean Contemporary: Literatur- und Gesellschaftsmagazin (Berlin: epubli GmbH)
* Otoo, Sharon Dodua Otoo (2015) „Wie bei den Pinguinen“ in Hervé, Florence und Stitz, Melanie (Hrsg.) Wir Frauen 2015 (Köln: PapyRossa Verlag)
* Otoo, Sharon Dodua (2011) „Die Geschichte vom Kreis und Viereck“ in Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.) (K)Erben des Kolonialismus im Wissenschaftsarchiv deutsche Sprache (UNRAST Verlag, 2011) S.378

Wissenschaftliche Artikel in Büchern
* Otoo, Sharon Dodua (2016) ‘ “The Speaker is Using the N-Word”: A Transnational Comparison (Germany-Great Britain) of Resistance to Racism in Everyday Language’ in Fereidooni, Karim und El, Meral (Hrsg.) Rassismuskritik und Widerstandsformen. (Inter)national vergleichende Formen von Rassimus und Widerstand (Wiesbaden: Springer VS)
* Otoo, Sharon Dodua (2012) “Reclaiming Innocence: Unmasking Representations of Whiteness in German Theatre” in Micossé-Aikins, Sandrine und Otoo, Sharon Dodua (Hrsg.) The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World (Münster: Edition Assemblage), S.54-70

Artikel in Zeitungen / Zeitschriften (Auswahl)
* Otoo, Sharon Dodua (2015) „Audre Lorde. Schwarze, Lesbe, Mutter, Kriegerin, Poetin“ Der Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/wissen/audre-lorde-schwarze-lesbe-mutter-kriegerin-poetin/11328810.html)
* Otoo, Sharon Dodua (2013) „Wer hat die Definitionsmacht? Durch die Wahl unserer Worte verändern wir die Realität“ in: Critical Whiteness. Debatte um antirassistische Politik und nicht diskriminierende Sprache. Analyse und Kritik. Sonderbeilage (https://www.akweb.de/ak_s/ak593/images/sonderbeilage_cw.pdf), S.24-5
* Otoo, Sharon Dodua (2013) „Teilen“ in: taz. die tageszeitung (Hrsg.) Mini Utopien. Das Wörterbuch zum taz-Kongress (Zürich: Edition Rokfor) S.81-2

Reihe „Witnessed“:
In der englischsprachigen Buchreihe sind bislang erschienen:
* Clementine Burnley & Sharon Dodua Otoo (eds.): Winter Shorts. Series: Witnessed, Edition 5, October 2015
* Amy Evans: The Most Unsatisfied Town. Series: Witnessed, Edition 4, January 2015
* Nzitu Mawakha: Daima. Series: Witnessed, Edition 3, November 2013
* Olumide Popoola: Also by Mail. Series: Witnessed, Edition 2, February 2013
* Sandrine Micossé-Aikins & Sharon Dodua Otoo (eds.): The Little Book of Big Visions. How to Be an Artist and Revolutionize the World. Series: Witnessed, Edition 1, October 2012

Interviews:
Witnessed. An Interview with Editor Sharon Dodua Otoo. Young Germany (auf englisch), November 2015.
Es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen. bookfair-Zeitung Nr. 03/14. Oktober 2014
Frauen in Deutschland. Sie sind nicht nur weiß. Migazin, Februar 2014
Author Review. AIM Magazine (auf englisch), April 2012, pp 24-5

Stand: 13.08.16


4. Juni 2019

LIEBE, SOLIDARITÄT UND RÜCKENWIND!

 

edition assemblage Crowdfunding

Danke ihr Lieben!
Wir haben viel mehr von euch bekommen als die unglaublichen 9. 361 €, soviel Aufmerksamkeit, Solidarität und Liebe. Wir freuen uns euch möglichst viel davon wieder zurückzugeben.

 

#ASSEMBLAGEMITRÜCKENWIND

 


Unsere Neuerscheinungen (Stand 04.06.2019):

Cover von Tamer Düzyols und Taudy Pathmanathans HAYMATLOS

Tamer Düzyol & Taudy Pathmanathan (Hg.)

HAYMATLOS
Gedichte

Broschur | 100*180mm
224 Seiten | 14,80€
978-3-96042-050-7 | 2-112
Oktober 2018


Cover von Hannah C. Rosenblatts aufgeschrieben

Hannah C. Rosenblatt

aufgeschrieben

Hardcover | 120*180mm
96 Seiten | 15.00€
978-3-96042-053-8 | 1-110
März 2019


Cover von Esto Maders, Cora Schmechels, Kim Kawalskas und Alex Steinwegs Gegendiagnose II

Esto Mader, Cora Schmechel, Kim Kawalska, Alex Steinweg (Hg.)

Gegendiagnose II
Beiträge zur radikalen Kritik an Psychologie und Psychatrie

Broschur | 140*205mm
288 Seiten | 19,80€
978-396042-063-7 | 2-973
Mai 2019


Cover von Sebastian Kaspers SPONTIS

Sebastian Kasper

SPONTIS
Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt

Broschur | 140*205mm
256 Seiten | 14€
978-3-96042-049-1 | 2-973
Dezember 2018


Cover von Céline Barrys Toubabesse

Céline Barry

Toubabesse
Wie Bildung Frauen koloniale Macht verleiht. Alltagssoziologische Analysen aus Dakar, Berlin und Dazwischen

Broschur | 140*205mm
312 Seiten | 18.00€
978-3-96042-052-1 | 2-973
Mai 2019


Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei

31. Januar 2019

Pressemitteilung
Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei
Buchveröffentlichung – Veranstaltungen
[Februar 2019 | Münster/Berlin/Duisburg]

[PDF]

Am 7. Februar erscheint in der edition assemblage der Sammelband:

Ismail Küpeli (Hg.)

Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei

128 Seiten | 7.80€ | 978-3-96042-051-4 – edition assemblage

Vor fast genau einem Jahr, am 20. Januar 2018, begann der türkische Angriffskrieg gegen Afrin / Rojava und damit eskalierte die Vorgehensweise der Türkei gegen das selbstverwaltete und multiethnische Rojava-Projekt in Nordsyrien. Die Türkei verfolgt seit der Etablierung von Rojava eine feindselige Politik, die darauf zielt, Rojava zu zerschlagen oder zumindest zu schwächen. So hat die Türkei von Anbeginn die türkisch-syrische Grenze dichtgemacht und lässt nicht einmal humanitäre Hilfen nach Rojava passieren. Die Türkei setzt bei ihrer feindlichen Politik aber schon länger nicht allein auf die Grenzblockade. Islamistische und jihadistische Gruppen, die bereit waren gegen Rojava zu kämpfen, wurden und werden von der Türkei mit Waffen, Geld und Rückzugsräumen in der Türkei unterstützt. Selbst der „Islamische Staat“ konnte jahrelang recht ungestört über die Türkei Waffen, Kämpfer und Geld nach Syrien bringen. Dies ist nicht anders zu erklären als durch eine aktive Duldung der Türkei, die den IS lange als ein Werkzeug zur Bekämpfung Rojavas angesehen hat. Als der IS nach seinen Niederlagen in Syrien und im Irak an Schlagkraft verloren hatte und erkennbar war, dass andere islamistische und jihadistische Gruppen Rojava ebenfalls nicht ernsthaft gefährden konnten, musste die Türkei direkter vorgehen und mit der eigenen Armee Rojava angreifen.

Der Krieg gegen Afrin scheint indes nur die erste Stufe eines größeren Angriffs auf Rojava zu sein. Die Türkei versucht für einen neuen Angriff die Unterstützung oder zumindest Duldung der beiden Großmächte USA und Russland zu sichern. Der Afrin-Krieg war damals möglich geworden, weil die USA und Russland dies zuließen – und heute droht ähnliches im Bezug auf die übrigen Regionen von Rojava. Um die türkische Politik gegen Rojava adäquat einzuordnen und zu verstehen, müssen wir die Perspektive räumlich und historisch weiten. Im aktuellen Sammelband „Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei“ wollen dies leisten. Rosa Burç, Meral Çınar, Axel Gehring, Alp Kayserilioğlu, Ismail Küpeli, Kerem Schamberger, Mahir Tokatlı und Michael Wilk richten mit ihren Beiträgen den Blick auf Zusammenhänge, die in der öffentlichen Debatte unterbelichtet bleiben. So werden sowohl die politischen als auch gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei analysiert, wozu selbstverständlich auch eine intensive Debatte um die Frauenbewegung in der Türkei gehört. Ausgehend von der zentralen Bedeutung der „Kurdenfrage“ gerät dann die Perspektive auf die anderen Seite der nationalstaatlichen Grenzen, nach Rojava. Hier fragen wir einerseits danach, ob Rojava eine Alternative zum Nationalstaat darstellt, und andererseits betrachten wir die Folgen des Afrin-Krieges sowohl für Rojava als auch für die Türkei selbst.

Die Publikation schließt mit einen Beitrag von Michael Wilk der davon berichtet, was der Krieg gegen Afrin ganz konkret für die Menschen dort bedeutet, nämlich Tod, Zerstörung und Vertreibung. Unter Bombenhagel versuchten Helfer_innen, wie etwa von Heyva Sor („Kurdischer Roter Halbmond“), Zivilist_innen zu behandeln und untersützen und wurden vielfach selbst zu den Opfer des türkischen Angriffskrieges. Derzeit droht eine weitere türkische Offensive gegen Rojava und so könnte sich das, was in Afrin geschah, auch in den anderen Teilen Rojavas wiederholen. Es gilt das zu verhindern.

Aus dem Inhalt:

Ismail Küpeli: Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei: Vorwort

Ismail Küpeli: Hauptsache die Kurd_innen verlieren: Die türkische Nahostpolitik

Rosa Burç: Demokratische Autonomie: Staatenlos regieren als gesellschaftliche Alternative zum Nationalstaat in Nordsyrien und der Türkei

Kerem Schamberger: »Wir sind die Freie Presse« – Journalismus, Rojava und der Kampf um Afrin

Mahir Tokatlı: Präsidentialismus alla Turca und kurdophobe Aspekte des Weges dorthin

Meral Çınar: Der Aufschwung der Frauenbewegung in der Türkei

Axel Gehring: Afrin und die Krise der AKP. Zur Geopolitik des innertürkischen Burgfriedens

Alp Kayserilioğlu: Sieg der Diktatur? Die Türkei nach der Afrin-Invasion und den Wahlen 2018

Michael Wilk: Rojava – die türkische Invasion in Afrin

Veranstaltungen:

Die Termine der Veranstaltungsrundreise in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

14. März 19:00 Berlin Rosa Burç / Berivan Aslan
Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1 10243 Berlin

4. April 19:30 Bremen Mahir Tokatlı / Münevver Azizoğlu Bazan
Kulturzentrum Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

8. April 20:00 Frankfurt Mahir Tokatlı / Anita Starosta
medico international, Lindleystr. 15, 60314 Frankfurt am Main

11. April 18:00 Saarbrücken Axel Gehring / Anita Starosta
Peter-Imandt-Gesellschaft, Futterstraße 17-19, 66111 Saarbrücken

12. April 18:00 Kiel Ismail Küpeli / Anja Flach
Uni Kiel, Christian-Albrechts-Platz 4, 24118 Kiel (konkreter Raum noch nicht bekannt)

15. April 19:00 Erfurt Alp Kayserilioğlu / Evrim Sommer
RedRoXX, Pilse 29, 99084 Erfurt

16. April 19:30 Hamburg Mahir Tokatlı / Anja Flach
Centro Sociale, Sternstraße 2, 20357 Hamburg

17. April 18:00 Cottbus Alp Kayserilioğlu / Nelli Tügel
quasiMONO, Erich-Weinert-Str. 2, 03046 Cottbus/Chóśebuz


17. Januar 2018

Ihr lieben,

Endlich ist es soweit. Wir gehen mit einer neuen Website an den Start. Schon lange hören wir eure Kritik, dass unsere Website völlig unübersichtlich ist – jetzt gibt es endlich eine Lösung!

Die Website ist frisch aus dem Ofen deswegen kann es sein, dass es noch nicht funktionierende Links oder andere Komischheiten gibt. Auch diesmal freuen wir uns wieder auf euer aktives Feedback – wir machen das auch zum ersten Mal!

Unter Bücher könnt ihr euch nun besser unsere Bücher sortieren lassen (eeeeeendlich.) Außerdem haben wir bessere Informationen für diejenigen von euch eingeplegt, die Lust haben auf Mitarbeit! Das atemberaubende neue Design müssen wir wohl nicht mehr erwähnen *zwinker*

Die Website ist jetzt auf Stand 1.0 – wir haben noch einige Verbesserungen vorzunehmen. Also checkt regelmäßig für neuen Content!

Um noch besser informiert zu sein folgt uns doch auf Twitter, Insta oder Facebook!

Und jetzt viel Spaß!


Bevor Linke Gespenster umgehen lassen,

22. Juli 2009

wird nicht immer so nachdrücklich über dessen Namen spekuliert wie im Fall von Marwa El-Sherbini.
Nach mittlerweile drei Wochen ist allmählich auch in den letzten Ecken bekannt geworden, dass es sich hierbei um mehr als nur einen spektakulären Fall handelt, in dem ein juristischer Rachemord in öffentlichen Räumen des Deutschen Staates begangen wird. Es war ein rassistischer Mord an einer arabischen Frau, die der Täter schon ein Jahr zuvor rassistisch beleidigt und dabei direkte Bezüge zu ihrem – am Kopftuch offenbar erkennbaren – muslimischen Glauben gemacht hatte. Zuletzt im Gerichtssaal macht er der Migrantin verbal deutlich, dass, wenn die NPD erstmal an der Macht ist, Schluss mit der Migration sei. Was hätte sie überhaupt hier verloren (vgl. http://www.zeit.de/2009/30/Islamophobie)? Sie wehrt sich schon seit einem Jahr juristisch und kämpft im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes um eine angemessene Bestrafung des Täters. Bekanntlich geschieht dies nur in den seltensten Fällen. Die Kämpfe gegen Rassismus und Rassismen im Alltag setzen sich zwischen und innerhalb subalterner Klassen eher fernab von bürgerlichen Verhandlungskonformitäten und staatlichen Gesetzlichkeiten durch. So wehren sich Migrantinnen und Migranten auch den Bedingungen entsprechend auf eine spezifische Art und Weise. Daher sind viel mehr Menschen, die als nicht mehrheitsdeutsch auffällig werden, alltäglichen Rassismen im Alltag und in Institutionen ausgesetzt als dokumentiert wird. Weitaus weniger Menschen werden allerdings während eines Mordgeschehens in einem Gericht, den etwa ihr Mann zu verhindern versuchte, selber wegen den augenscheinlichen Migrationshintergründen von der polizeilichen Staatsgewalt fälschlicherweise angeschossen. Die Details wie auch der Rest der Geschichte sind bekannt.
Die Medien verhalten sich zunächst distanziert. Es heißt, dass ein so genannter Russlanddeutscher eine junge Araberin ermodert hat. Der Kampf der Kulturen auf “deutschem Boden“ als Ausschlussverfahren aus einem funktional tüchtigen, sich quasi aus sich selbst heraus reproduzierendem deutschen Gesellschaftskorpus scheint zunächst geeignet. Schnell wird ein Ethnisierungsprozess von den Massenmedien eingesetzt, der den politischen Gehalt der rassistischen Tat zu verdecken versucht. Dass es keine Rassen, rassische Merkmale oder Ethnien an sich gibt, sondern Rassismus als soziales Verhältnis innerhalb spezifischer Konjunkturen und politischer Ethnisierungsprozesse durchzusetzen versucht wird, zeigt sich hier besonders deutlich. „Deutschland“ bemüht sich krampfhaft, den Täter semiotisch abzuschieben. Der nach völkisch institutionellem Recht deutsche Staatsbürger sieht in den Medien prompt weniger deutsch aus. Politisch betrachtet erscheint die sehr umstrittene vom Think tank, Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung, durchgeführte Bestandsaufnahme von Integration heute im Anschluss an den Nazimord mit Blick auf die nationalen Anstrengungen das Deutsch-Sein zu rehabilitieren, besonders hämisch (http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Zuwanderung/Integration_RZ_online.pdf),. In der Studie „Ungenutzte Potentiale“, in der erstmals einzelne migrantische Gruppen mit ethnisierenden Definitionsmechanismen und artifiziellen Legitimierungsprozessen separiert und der Stand ihrer „Integration“ anscheinend geprüft wird, heißt es, dass die große Gruppe der Aussiedler gute Integrationswerte aufweise und sich aktiv um die Integration in die deutsche Gesellschaft bemühe (vgl. http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Zuwanderung/Integration_RZ_online.pdf).
Von Bedeutung ist das politische und gesellschaftliche Interesse der Herrschenden daran, rechte Ideologie in diesem Fall zu „entdeutschen“. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die unter den hiesigen Verhältnissen agierende – und gleichwohl sehr heterogene – Linke und ihrer Praxis die zentrale Frage, wieso sie von dieser inflationären Politik derart betroffen und beeindruckt ist, denn so richtig demonstriert, gemahnt und Politik gemacht, hat einfach niemand. Das ist dem Übergriff spezifisch und es sollte im Zusammenhang zum Mord mindestens genauso darüber nachgedacht werden. Die Ereignisse gilt es nun zu politisieren, denn unabwendbar waren die letzten drei Wochen auch Ausdruck der politischen Misere – oder diplomatischer – der Krise linker Gruppen und ihrem politischen Verhalten zu herrschenden rassistischen Verhältnissen. Die willensstarke Demo gegen Nazis am 18. Juli in Berlin, deren Anlass der gewalttätige Mordversuch von vier Neonazis an einem linken Aktivisten war, und auch die vielen spontanen und dynamischen Aktivitäten in der Mobilisierungswoche sind ein starkes Signal gegen Rechts. Im selben Moment spitzt sich das Problem des Antirassismus und Rassismus als Orte von Kritik und Praxis in Germany allerdings mit besonderer Vehemenz deutlich zu, auch wenn breite Teile der Linken den Nazimord an einer Araberin ähnlich wie die Mitte der Gesellschaft lieber verdrängt haben, was geneigte Beobachtende auch als zurückhaltende Reserviertheit bezeichnen können. Schließlich hat irgendetwas an dem Mord nicht gepasst und bevor mensch etwas Kritisierbares tut und sagt, sagt mensch in linken Kreisen bekanntlich ja lieber gar nichts.
Irgendwann kam die Nachricht ja dann doch mit aller Wucht hier an, und zwar erst mit der religiös verdichteten Aneignung des Themas von der ägyptischen, der iranischen und anderen Regierungen im Orient. Die islamische Hetze wiederum, die die Menschen in Ägypten in Forderungen etwa wie „Deutschland muss sterben“ formulierten, wurde hier schnell thematisiert. Der Mord eines Nazis an einer Migrantin, ja sogar an einer Frau, die mehr oder weniger bewusst feministisch und antirassistisch vor Gericht gekämpft hatte, nach wie vor weniger. Die religiöse Beschlagnahmung eines rassistischen Mordes hat insbesondere auch durch das Ausbleiben von kritischen Aneignungs- und Politisierungsversuchen die Überhand gewonnen, was in Zeiten einer allgemeinen „Verreligiösierung“ der Gesellschaften für emanzipative Entwicklungen gewiss kein Fundament bietet. Zu befürchten sind Rückschläge, die sich möglicherweise in einem Erstarken von rassistischen und antisemitischen Übergriffen wie auch staatlichen Kriminalisierungen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland ausdrücken. Dass nicht nur der Osten, der Balkan, sondern auch die USA trotz change, Frankreich mit saint Sarko und auch Deutschland neue Konjunkturen der Symbiose zwischen Nationalismus und christlicher Nächstenliebe mit Nachdruck einzuläuten versuchen, sollte einer kritischen Analyse von Nationalismus, die sich im Zuge der neuen internationalen Verhältnisse reorganisiert, nicht entgangen sein. Hierbei werden auch neue Konjunkturen des Rassismus durchgesetzt. Und wenn die Opfer eines islamfeindlichen, rechten Rassismus religiöse Opfer sind, derer mensch sich nur am Rande und nur zögerlich annimmt, dann stehen wir wahrscheinlich vor einer neuen Geschichtsetappe, deren weiße und eurozentrische Klassenfarbe sich ein weiteres Mal distinguieren kann.
Vor dem Hintergrund des Mordes an Marwa El-Sherbini hätte die Linke ein linkes antinationales und antirassistisches Gespenst umgehen lassen können!

Ceren Türkmen, Berlin – Im Juli 2009

Siehe auch Rassismus in der Leistungsgesellschaft