Bini Adamczak

gestern morgen

Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft

160 Seiten | 12,00€

978-3-942885-08-9

November 2011

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Die Re-Konstruktion einer kommunistischen Begierde führt in die Geschichte des Kommunismus und bürstet sie gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Der Weg zu den revolutionären Wünschen führt die Autorin über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Das Buch birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: gestern morgen.

Auszug
„Dem Antikommunismus ist zu allererst vorzuwerfen, dass er die Verbrechen des Stalinismus verharmlost. Nicht weil in den Gulags neben den Menschen auch noch eine Idee gemordet worden wäre – was für ein zynischer Einfall –, sondern weil erst der Kommunismus das historisch einklagbare Anrecht in die Welt gezwungen hat, keine Entmündigung hinnehmen, nicht eine einzige Erniedrigung mehr ertragen zu müssen. Seit dem ist noch das kleinste Unrecht größer und das größte schmerzt um ein Vielfaches mehr.“
Bini Adamczak

Rezensionen

Eine Auswahl:

„Wir erfahren wie traurig man sein muss, um Petrograd wiederaufzuwecken, dass wir also nicht nur ein kommunistisches Begehren brauchen, sondern vor allem eine kommunistische Leidenschaft, so dass aus Pathos Poesie wird.“ Andreas Folkers, diskus diskus 2/07

„Eine fesselnde Lektüre, die man auch auf dem Sofa und nicht nur fleißig mitexzerpierend am Schreibtisch lesen kann. Ein Kompliment, das man den meisten historischen Arbeiten mit all ihren Sammelfußnoten sicherlich nicht machen kann.“ Jessica Zeller, Gespenster revisited, Jungle World

„Die These Bini Adamczaks in ihrem neuen Buch: Wir können nicht erinnernd die Oktoberrevolution 1917 aufgreifen, ohne zuvor auf ihre virtuelle Aufhebung, ja Vernichtung 1937 zu stoßen.
(…)
Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben” sagt Benjamin in der Wahlverwandtschaften-Arbeit. Bini Adamczak spitzt das sinngemäß weiter zu: Hoffnungslosigkeit enthält einen Appell an alle, die noch Hoffnung zu haben beanspruchen.
(…)
Die furchtbaren Leiden, die das Buch uns vorführt, sind einzige Möglichkeit, aber auch Verpflichtung, demjenigen Wirklichkeit, Unauslöschlichkeit, Nichtzurücknehmbarkeit zuzuschreiben, was damals in den Jahren 1917 und den folgenden geschah. Die Schreie aus dem Totenhaus, die damals durch die Mauern drangen, sie sind es, die uns ein Begehren fassbar und zugänglich machen, das nie erfüllt wurde und doch in keinem Verzicht begraben werden kann.“ Fritz Güde, stattweb / kritisch-lesen.de

„Es zeichnet das Buch gerade aus, jedwede Rhetorik durchzustreichen, mit der die Linke sich gerne davor drückt, der Geschichte ins Weiße im Auge zu blicken“
Rezension von Sebastian Kirsch in „Theater der Zeit“

„Wie auch schon im letzten Buch widmet sich Adamczak dem Versuch eine neue Sprache zu finden. Und wieder ist das Ergebnis brilliant.“ Benni Bärmann, keimform

„keine sinnentleerte Traditionspflege, sondern die Suche nach Anknüpfungspunkten für zeitgemäße, radikale Subversion.“ Gaston Kirsche / Robert Matthies: Hoffnungsvolle einsame Gespenster, taz 20.12.07

„Dieses zweite Buch mit dem Titel „Gestern morgen“, das sie selbst als „Kommunismus für Kommunistinnen“ ansieht, ist insofern auch Kommunismus für Erwachsene oder für alle, die jenseits des bloßen Vorhabens über mögliches weiteres Vorgehen nachdenken und sich für das geschichtliche Desaster verantwortlich fühlen; für alle, denen klar ist, daß die bloße Beteuerung, beim nächsten Mal wird es ganz anders laufen, wenig überzeugend wirkt, solange so wenig und so reaktiv über das Ganze des Scheiterns gesprochen wird.
(…)
Adamczaks Buch wird so schon formal zu einem Mahnmal, das daran erinnert, daß Aufstände gegen die Weltgeschichte – der der Frauen, der der Juden, der der Arbeiter und so fort – immer zunächst präzedenzlos sind und sich eben gegen die bisherige Geschichte durchsetzen müssen statt sie irgendwie zu „erfüllen“ oder zu „vollenden“.
Nichts von dem, was Adamczak aus der Gegengeschichte kratzt, kann als überwundenes Problem angesehen werden.“
(…)
Das Büchlein stellt sich also in mehrfacher Hinsicht daneben, nach draußen an die frische Luft“ Daniel Kulla, Gegengeschichte. Rezension, CEE

„Der Kommunismus kann nur im gesellschaftlichen Leben selbst zu finden sein, er ist nichts, was eine (elitäre) Minderheit der übrigen Gesellschaft voraus hätte, was sie ihr per Agitation über stülpen könnte.“
Hubert Herfurth, Kommunismus ist keine Angelegenheit der Kommunistinnen! trend onlinezeitung 5/08

„Dieses Buch sollte man lesen.“ Kerstin Stakemeier, testcard bzw. konkret

„Den Glauben, die Hoffnungen, Enttäuschungen, Wünsche und Träume – den Zeitgeist – einer Generation ermordeter KommunistInnen macht Adamczak (aus dem Stoff autobiografischer Romane und Erzählungen) in brillanter Weise lebendig.“ Andreas Kranebitter, die Linke.at

„Die Potenzialität des kommunistischen Begehrens, so Adamczaks nicht wenig radikale These, kann nur nach einer konkreten Verarbeitung der Tode aller KommunistInnen, die im Namen des Kommunismus ermordet wurden, wieder aktualisiert werden – damit endlich alles anders wird. Das liest sich so emotional, wie es klingt – und könnte auch als Medizin gegen antideutsche Macker oder ahistorisches Parolengelalle verabreicht werden.“ Tim Stüttgen, intro, 17.7.2008

„Bini Adamczak birgt die Toten des Kommunismus, um ihn neu zu finden.“ Peter Nowak, ND, 12.12.2008

„Wir befinden uns heute im Spannungsfeld der Adamczakschen Fragen.“ Dieter A. Behr, mehr fragen, grundrisse

„Ihr Ziel dabei ist, festzumachen, ob es einen Punkt gibt, an dem die Konterrevolution gesiegt hat. Als solche mag die Autorin jene Kräfte verstanden wissen, die den Weg zu einem totalitären Regime geebnet und die progressiven Elemente vernichtet haben. Ihr Vorhaben ist zugleich Trauerarbeit am Kommunismus wie auch die Suche nach dem, was ihn eigentlich ausmacht, um ihn von neuem aufgreifen zu können.“
Buchrezension in unique 01/08

„Bini Adamczaks Stalinismuskritik auf der Höhe der Zeit.“ Matthias Becker, Trauerarbeit, jw 8,12.2008

„Der Essay ‚Gestern Morgen’ von Bini Adamczak, der zu dem intelligentesten und sprachlich eindringlichsten gehört, was die radikale Linke seit Jahren produziert hat, geht dem Scheitern, dem Traum und den Traumata des roten Oktober auf den Grund, indem, den Faden von hinten aufnehmend, der imaginäre Ur-Sprung des Scheiterns der kommunistischen Emanzipation eruiert wird.“
Hendrik Wallat: Kommunistische Trauerarbeit. Rezension. rote-ruhr-uni.