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Cover von Deniz am Strand, eine Person mit Regenschirm in der Hand raucht vor einer rosa-grau-grünen Hafenlandschaft
Deniz am Strand
Eine Geschichte über Familie, Fluch und Fatalität Murat Kâmil Paperback, 128 pages
140 x 205mm
978-3-96042-128-3 / 2-110
12,80 Euro
Publication Date 03/2022
Paperback, 128 pages
140 x 205mm
978-3-96042-128-3 / 2-110
12,80 Euro
Publication Date 03/2022

Content

„Kann man letharcholisch geboren sein?“ – Deniz sucht sich inmitten von Trauer, Familie, Loyalität, Schicksal, Fatalität und Tod.

Deniz studiert in Kiel. Wie sein Name verrät – Deniz steht für Meer – lebt er ins Blaue, ins „unendlich Blaue“ hinein. Er trinkt, liebt und trauert; er ist empfindsam, melancholisch und lethargisch – „Kann man letharcholisch geboren sein?“, fragt er sich. Zu Hause hat Deniz nie gelernt, Konflikte zu lösen. Gespräche mit seinem Vater enden eskalativ, tiefe Gefühle werden kaum enthüllt. Als sein Vater stirbt, fällt Deniz in ein tiefes Loch voll Trauer und Reue, aus dem er versucht herauszukommen.


Dieser Roman versetzt Schlag auf Schlag, wie in einem Rausch, was Deniz‘ Herz bewegt. Er erzählt von seinem Leben, seinen inneren Dämonen, der dramatischen Geschichte seiner südostanatolischen Familie und der Liebesbeziehung zu seiner Freundin Hanna.


„Deniz am Strand“ handelt vom Schicksal eines Identität suchenden, tragischen, jungen Mannes, der sich als Mensch aussortiert fühlt, ohne Platz in der Gesellschaft – es geht um Trauer, Familie, Liebe, Loyalität, Fatalität und Tod.


Author

Murat Kâmil — Murat Kâmil, 1991, Hamburg; siebter und letzter Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Ein quälendes Jahr im Krankenhaus, führte Murat zur Literatur, deren fiktive Nicht-Orte ihn zeitweise von jenem Alptraum ablenkten. Wieder genesen, studierte er Germanistik und Philosophie in Kiel. read more

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Excerpt from the book Deniz am Strand:

–– Schaut ihn euch an, liebe Lesende! Bisher wollte ich mich nicht so ausdrücklich an euch wenden. Ich wollte nicht, ich konnte nicht. Ich gab nur wieder. Unpersönlich…. Doch jetzt, da, wo ich diesen Jungen, meinen Deniz, so sehe, verraten und geschlagen – was soll ich sagen?! Wie kann ich sagen?! Unter welchen Begriff kann ich dieses Leid bringen?! In diesem Moment, liebe Lesende, sei dies gewiss: Ich wünschte, ich wäre kein denkendes und zugleich empfindendes Wesen. Ich wünschte, ich wäre ein halber und kein ganzer Mensch: nur ein Gedanke ohne Gefühl. Eine Buchseite ohne Duft.

So sehe ich ihn und fühle ihn, meinen Deniz, wie er ganz unten ist. Er torkelt über die Feldstraße Richtung Schanze, um besoffen, zerbrochen und zerschlagen in sein Auto zu steigen. Er bleibt stehen und pinkelt in den Busch. Er hat zu Ende gepinkelt und doch, er steht noch da, am Busch, er steht noch da, er hat ausgepinkelt, seine Hose ist noch offen, sein Penis in seiner Hand, aber er steht noch da, Leute laufen an ihm vorbei und er steht noch da, seine Hose offen, der Penis in den Händen, er steht da, aber seine Tränen stehen nicht; sie laufen. Sein Kopf explodiert. Doch kein Laut kommt aus seinem blutigen Mund. Wie oft habt ihr, liebe Lesende, Menschen in solchen Situationen gesehen? Menschen, die wirklich ganz unten sind. Die nicht einer Lappalie wegen einige Minuten melancholisch sind und sich selbst bemitleiden, um im nächsten Moment wieder von Herzen zu lachen. Wie oft? – – Du, Deniz, du hast schon oft Menschen in solchen Situationen gesehen – Fremde waren sie, andere waren sie. Doch diesmal nicht. Diesmal bist Du auf der anderen Seite, mein Lieber. Du bist unten und sie schauen Dich an. Doch ist Dir das unangenehm? Nein! Wie denn auch? Du siehst sie nicht. Menschen, die ganz unten sind, sehen nichts mehr. Sie verspüren nur Leid, sind blind vor Schmerz! ––

Als er sein Auto erreichte, kotzte er noch einmal auf den Boden, bevor er einstieg. Er zog seine Jacke aus und saß nun auf dem Sitz. Sein Gestank kam ihm hoch. Sein Blut auf dem klebrig gewordenen Hemd war auf dem Weg, schwarz zu werden und hatte sich mit seiner Kotze und dem Alkohol vermischt. Schweiß und Tränen hatten den Kragen komplett durchnässt. Er zog sein Hemd aus – nicht einmal ein Unterhemd hatte er an. Er fuhr los, er fröstelte; mit freier Brust und befangenem Herz trat er aufs Gas.

Es war dunkel und würde es noch mehrere Stunden sein. Kaum Autos auf der A7, wenig Licht – das waren Voraussetzungen, unter denen ein gehirnerschütterter Besoffener auf Schmerztabletten, der kaum die Augen aufmachen konnte, noch geradeso fahren konnte. –– Aber er schaffte es, einmal noch kam er billig davon; nach einer knappen Stunde kam er ohne einen Unfall vorsichtig und heil an sein Ziel, wenn man seinen körperlichen und seelischen Zustand überhaupt als heil bezeichnen durfte – er parkte vor Hannas Wohngebäude.

[...]

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