Weißsein oder die “Weisheit der Vielen”

(k.m.) Aaron Koenig, Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei, kämpft weiter für die Dominanz der Mehrheitsgesellschaft und gegen den Schutz der Rechte von Minderheiten. In seinem Blogbeitrag “Respekt für die Schweiz” begrüßt er das rassistisch motivierte schweizer Referendum gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz als demokratisch und fordert auch für die BRD die Möglichkeit, per Mehrheitsentscheid über Fragen des Menschrechts zu entscheiden. Während er die rassistische Motivation der Initiative abwehrt, präsentiert er selbst sein sehr ideologisches Islam-Bild:
“Es ging beim Schweizer Volksabstimmung natürlich auch nicht wirklich um Bauwerke, die sind lediglich Symbole. In der Mehrheitsentscheidung der Schweizer drückt sich vielmehr ein Unbehagen gegen eine politische Bewegung mit Allmachtsanspruch aus, die die Gleichberechtigung der Geschlechter, die pluralistische Gesellschaft und die Demokratie explizit ablehnt. Diese politische Bewegung enthält auch religiöse Elemente und beruft sich daher auf die Religionsfreiheit. Doch die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit gilt unter der Prämisse, dass sich die Praktizierenden einer Religion an die Gesetze halten und die Werte der Gesellschaft, in der sie leben, achten und teilen.

Eine politisch-totalitäre Bewegung, die sich anderen Glaubens- und Denkrichtungen überlegen fühlt und den Anspruch hat, Andersdenkende zu bekehren und gegebenenfalls zu töten*, steht hingegen nicht unter dem Schutz der Religionsfreiheit – denn Freiheit geht immer nur so weit, wie sie die Freiheit eines anderes nicht verletzt.”

Statt hier die Bilder und den Hass einer christlichen weißen Gesellschaftsmehrheit kritisch zu hinterfragen, propagiert Herrenrechtler Koenig eine “Weisheit der Vielen”:

Auch wenn das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung nicht jedem passen mag, bin ich davon überzeugt, dass eine direkte Demokratie, die auf die “Weisheit der Vielen” setzt, auf Dauer zu einer besseren Gesellschaft führt.

Wer sich mit seiner Ideologie in der Mehrheit sieht, muss sie nicht mehr hinterfragen. Sie wird zur Norm, zur Normalität erklärt. Die Ideologie von der “Weisheit der Vielen” ist eine Rechtfertigungsideologie, die eigene Privilegien auf Kosten der Rechte einer Minderheit sichern soll.

Koenigs Äußerungen sind ein erschreckendes Beispiel für die Verlogenheit vieler Kämpfer für eine “Freiheit der Massen” in der Partei “Die Piraten”, die unter dem Label “Postideologie” alle Ideologien – wie die des Rassismus – entschuldigen, sobald sie durch einen Mob oder eine andere Mehrheit vertreten wird.

Weitere Titel zum Thema: »Rassismus« in der edition assemblage.

Weitere kritische Beiträge:

taz.blog. Meike: Piratenparteiler begrüßt Schweiz-Referendum

Pantoffelpank: siehe dort.

Update (2.12.09):
NRW:2009-12-02 – Erklärung zu Aaron Koenig
– Eine Erklärung von Mitglieder des Landesverbandes NRW der Piratenpartei in der BRD, die sich von den Äußerungen Aaron Koenigs distanzieren. In einem Kommentar äußert Aaron Koenig: “Der wesentliche Unterschied zwischen den Unterzeichnern und mir scheint zu sein, dass ich von der direkten Demokratie überzeugt bin (die natürlich NICHT Grundrechte per Volksentscheid aushebeln kann, auch nicht in der Schweiz).”

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