Sharon Dodua Otoo liest „Herr Gröttrup setzt sich hin“ – die Jury lobt „Swing und drive“ des Textes

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Gröttrups, ein protestantisches Rentner*innenehepaar jenseits der 70, bei dem alles seine Ordnung hat und die Rollenverteilung traditionell ist. Alles scheint unter Kontrolle in ihrer bürgerlich-spießigen Welt bis eines Tages ein Frühstücksei ihre morgendliche Routine stört. Um diese scheinbar alltägliche Szene herum entfaltet sich nach und nach ein größeres Bild, eine scharfe Analyse der deutschen Geschichte und Gegenwart.

„Ich freue mich sehr! Ich bin sehr sehr erfreut!“, twitterte Sharon als erste Reaktion nach ihrer Lesung und der anschließenden Jurydiskussion.

Und dazu hat sie alles Grund: Klaus Kastberger verglich den Text mit Thomas Bernhards “Der deutsche Mittagstisch” und sprach ihm gar eine “Zauberkraft” zu. Hildegard E. Keller fragt sich, ob aus dem Frühstücksei “die Weltseele” spricht.
Die Jury erkennt eine mikroskopische Aufnahme einer Tischszene, in der nicht nur das Bürgertum angegriffen wird, sondern auch basisphilosophische, religiöse Fragen anklingen. Die witzig und ironisch erzählte Szene um ein Frühstücksei erinnert sie zuweilen stark an Loriot. Schwungvoll und mit leichtem, heiteren Tonfall gelingt Sharon eine vergnügte, hinterhältige Erzählung der Reinkarnation, so die Jury. Auch seien Elemente des Surrealen und Transzendenten im Text zu finden. Sandra Kegel, die Jurorin, die Sharon nominiert hat, weist völlig zurecht darauf hin, dass hier eine britische Autorin einen vergessenen Teil deutscher Geschichte erzählt. Darüber hinaus bleibt die politische Dimension des Textes jedoch von der Jury weitestgehend unkommentiert. Trotzdem ist die Rede von einem „nahezu genialen Griff“.

Sharons Text, das Video von ihrer Lesung und die Jurydiskussion dazu sind hier verlinkt.

Am Samstag, 2.7., ausschließlich zwischen 15h und 20h kann für den Publikumspreis abgestimmt werden.
Laut Veranstalter*innen funktioniert das so:
Vergabe: Publikumswahl ausschließlich über das Internet.

Stimmabgabe:Ausschließlich möglich am Samstag, 2. Juli, 15.00 bis 20.00 Uhr

Wahlmöglichkeit: Über die Webseiten von 3sat, BKS, Stadt Klagenfurt und Musilmuseum.

Anforderungen: E-Mail-Adresse und Begründung. Jede E-Mail-Adresse kann nur eine Stimme abgeben. Diese Stimme ist nur mit einer Begründung (max. 400 Zeichen) gültig. E-Mails an den Veranstalter werden nicht in die Wertung aufgenommen.

This entry was posted in Aktuelles. Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort