[PM] 1.9.2015 – 1. Jahrestag der Belagerung von Kobanê

Am 16. September 2015, zum 1. Jahrestag der Belagerung von Kobanê durch den „Islamischen Staat“ erscheint unser Sammelband „Kampf um Kobanê“ mit zahlreichen Autor_innen, die eine große Bandbreite an Themen ansprechen und die Ereignisse in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens mit dem Projekt Rojava in Beziehung setzen.

Um Kobanê und Rojava wieder stärker in den Fokus zu rücken, wird es eine ganze Reihe von Buchvorstellungen und Veranstaltungen geben. Falls Ihr Interesse an einer Buchvorstellung habt, meldet Euch bei mir: Ismail.Kuepeli@ruhr-uni-bochum.de

Alle Informationen und einige frei verfügbare Texte findet Ihr unter:
http://www.edition-assemblage.de/kampf-um-kobane/

Kampf um Kobanê – Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens

Vor genau einem Jahr, im September 2014, begann der Islamische Staat (IS) den Angriff auf die kleine Grenzstadt Kobanê in Rojava/Nordsyrien. Angesichts der vorherigen IS-Siege in Irak und Syrien, in denen Millionenstädte wie Mossul innerhalb weniger Tage erobert wurden, schien die Schlacht um Kobanê keine große Bedeutung zu haben. Kaum ein_e westliche_r Beobachter_in hätte im Vorfeld erwartet, dass ein paar hundert kurdische Kämpfer_innen die Stadt über vier Monate halten könnten und der IS hier seine erste große Niederlage einstecken würde.

Nachdem aber Kobanê entgegen der Erwartungen nicht in kurzer Zeit fiel und die PKK-nahen kurdischen Kämpfer_innen die Stadt halten konnten, wurde die Weltöffentlichkeit auf den Konflikt aufmerksam. Einige Wochen lang wurde hastig berichtet, emotional bewegende Bilder wurden eingefangen und herumgereicht – nur um sich nach kurzer Zeit dem nächsten Konfliktherd zuzuwenden.

Im Sommer 2015 kehrten Kobanê und Rojava wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Am 20. Juli verübte der IS einen Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç auf Kobanê-Wiederaufbauhelfer, der anschließend dazu führte, dass der Krieg zwischen der Türkei und der PKK wieder aufflammte. Der Krieg in der Türkei hat auch für Rojava unmittelbare Folgen. Es kam bereits zu ersten kleineren Angriffen der türkischen Armee auf YPG- und FSA-Stellungen.

Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure auf die ein oder andere Weise involviert waren. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl die Beziehungen zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale linke Auseinandersetzungen neu aufzugreifen – wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine Revolution durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorische Projekt?

Die Herausforderung besteht darin, die Debatten um Kobanê und Rojava nach dem Medienhype und dem darauf folgenden Desinteresse fortzuführen und inhaltlich zu vertiefen. Internationalismus scheint vielfach ein Thema für Spezialist_innen zu sein, wodurch bei jedem größeren Konflikt auf der Welt die Linke in ihrer Mehrheit beim Nullpunkt der Debatte ansetzt und bereits wieder aus der Debatte aussteigt, bevor ein wirklicher Erkenntnisgewinn eingesetzt hat.

Die Beiträge im „Kampf um Kobanê“ dienen in ihrer Gesamtheit dazu, den Blick zu öffnen und Rojava nicht isoliert von der Situation in der gesamten Region zu sehen. Die Beschäftigung mit Rojava soll indes nicht akademisch bleiben. Sie sollte dazu dienen, Erkenntnisse und Lehren für den Kampf um Emanzipation auch hier und heute zu ziehen. Das „bessere Leben“ ohne Ausbeutung und Herrschaft muss keine Utopie bleiben, wenn wir bereit sind, von denen zu lernen, die hier ein paar Schritte voraus sind.

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Ismail Küpeli (Hg.): Kampf um Kobanê – Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens. edition assemblage, Münster.

168 Seiten, 12.80 Euro. ISBN 978-3-942885-89-8.

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