May-​Ayim-​Ufer

May-​Ayim-​Ufer: Die Umbenennung markiert eine notwendige Perspektivumkehr des Gedenkens

In diesem Monat wird das Göbenufer in May-​Ayim-​Ufer umbenannt. Mit der Umbenennung erinnert die Stadt Berlin an ihre Beteilung an der Versklavung, von der Gröben persönlich profitierte. Für Kritik sorgte ein “Hetzarktikel” des Historikers Götz Aly in der Berliner Zeitung, der die Aktivist_innen für eine Umbenennung als „Straßenschänder in Kreuzberg“ bezeichnete. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD kritisiert in ihrer Stellungnahme zum Meinungsartikel des Historikers dessen “auf höchst unsachliche und emotionale Weise” Argumentationsweise, die ein Interesse an echter geschichtlicher Aufklärung des BZ-Kolumnisten vermissen lasse.

Entgegen der Meinung des Kolumnisten und Historikers sieht der ISD in der Umbenennung des Göbenufers einen “notwendigen Startpunkt für eine längst überfällige Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit” , die “eine notwendige Perspektivumkehr des Gedenkens” makiere

Der ISD weist die Behauptung Götz Alys zurück, nach der Gröben ein ehrwürdiger „Söldner, Abenteurer und Forschungsreisender“ gewesen sei und mit dem Sklavenhandel nichts zu tun gehabt habe. Dagegen stellt der ISD historische Fakten:

“Otto Friedrich von der Gröben (1656-1728), der in Berlin 1895 mit einem Straßennamen geehrt wurde, gilt als einer der „Pioniere“ des deutschen Kolonialismus. Als Führer einer Marine-Expedition der brandenburgischpreußischen Handelskolonie, die sich am lukrativen Handel mit afrikanischen Menschen beteiligen wollte, gründete er die Festung „Großfriedrichsburg“ im heutigen Ghana. Ab 1683 wurden von dort aus Gold und Elfenbein gegen europäische Schusswaffen, Alkohol, Eisen, und Stoffe getauscht. Am gewinnbringendsten war dabei der Handel mit Sklaven. Im Jahr 1693 waren bereits über 6000 Menschen deportiert worden. Historische Schätzungen belegen, dass insgesamt 30 000 Kinder, Frauen und Männer versklavt wurden, was Familienbande und ganze Gemeinschaften zerstörte. Darüber hinaus wurde es Gröben selbst ausdrücklich gestattet, eine begrenzte Anzahl von Menschen zum eigenen Profit zu deportieren. Er verfolgte also nicht “nur Befehle als ausführender Soldat”, sondern war ganz im Gegenteil aktiv am Handel beteiligt – und das bis er 1717 das Land verließ.”

Quelle:
Presseerklärung der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland vom 4. Febr. 2010 [PDF]

Reaktionen:
Stimmen zu dem Hetzartikel von Götz Aly gegen das May-Ayim-Ufer, stellt die Redaktion des braunen mob e.v. zusammen. Das Blog des braune mobs ist mittlerweile zur der wichtigsten Anlaufstelle für medienkritische Leser_innen geworden, die sich gegen rassistische Inhalte in den Medien wehren.

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