Münster – 30.10: “Deutschlands frechster Arbeitsloser”


Eine klassistische Kampagne der BILD-Zeitung und ihre Wirkung
Vortrag und Diskussion mit Christian Baron und Britta Steinwachs

Ort: Club Courage, Münster
Friedensstraße 42 (Hinterhof)
48145 Münster

Zeit: 30.10.12 | 18 h

Der Erwerbslose Arno Dübel hat es in den vergangenen Jahren zu einer auffälligen medialen Berühmtheit gebracht, indem sein „Arbeitslosenschicksal“ durch BILD in einer groß angelegten Kampagne aufgegriffen wurde. Dübel verkörpert hier einen „Arbeitslosen“, der sich dem Leistungsdiskurs bewusst entzieht, um es sich in der „sozialen Hängematte“ gemütlich zu machen. Die Soziologen Chr
istian Baron und Britta Steinwachs beleuchten in ihrem Vortrag diese Kampagne und stellen ihre empirische Analyse zahlreicher Leser*innenkommentare zur Berichterstattung über den von BILD als „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ Bezeichneten vor.

Ein wesentliches Ergebnis besteht darin, dass sich Klassismus nicht nur von oben oder aus der Mitte gegen Erwerbslose richtet, sondern auch vonseiten jener, die selbst prekär oder in Armut leben. Eingerahmt in den Kontext von Aktivierung, Postdemokratie und Prekarisierung, ergeben sich daraus dann auch weitere, ebenfalls zu behandelnde theoretische Fragen: Warum reproduzieren die Massenmedien klassenbedingte Diskriminierungsstrukturen? Welche Gründe hat die despektierliche Wahrnehmung des Schicksals „Erwerbslosigkeit“ durch die Lohnabhängigen selbst? Und in welchem Zusammenhang steht diese Diskriminierung mit dem politisch erzeugten sozialen Klima (Sarrazins Migrantenschelte, Westerwelles Dekadenz-Debatte etc.)? Damit versteht sich der Vortrag als Teil einer Erklärung des diskursiv beförderten Bröckelns der letzten Reste an Solidarität innerhalb der Lohnabhängigenklasse in Deutschland.

Die ReferentInnen:
Christian Baron promoviert am Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie der Universität Trier zum Thema: „Der neue Klassismus? Eine kritische Analyse des massenmedialen Sozialstaatsdiskurses in Deutschland.“

Britta Steinwachs studiert im Master-Studiengang Soziologie mit dem Schwerpunkt „Wohlfahrt – Arbeit – Profession“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Zusammen haben sie im Mai 2012 das Buch “Faul, frech, dreist. Die Diskriminierung von Erwerbslosigkeit durch BILD-Leser*innen.” bei der edition assemblage veröffentlicht.
[www.edition-assemblage.de/faul-frech-dreist/]

Wietere Infos hier:
http://www.clubcourage.de/?m=20121030&cat=3

Eine Veranstaltung des Referats für finanziell und kulturell benachteiligte
Studierende (FIKUS Referat) [www.fikus-muenster.de]
im AStA der Uni Münster [www.asta.ms].

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