Das Regime ist immer schon da

Eine Rezension von Claudia Krieg auf buchhandlung drift

Das weltweite Wissen gibt dem Begriff Regime am liebsten Gesichter: Mohammar al-Gaddafi, Baschar al-Assad, Hu Jintao. Auch historische Verwendungen sind gebräuchlich, im Fall des französischen Vichy-Regimes beispielsweise, Kollaborationspartner der deutschen Nationalsozialist*innen während des Zweiten Weltkriegs.

Der Umstand, dass der Regime-Begriff aber weit über so einfache wie gegensätzliche Beschreibungsvarianten von Opfer-Täter-Verhältnissen hinausreicht, hat, laut den Autor*innen von Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird., bislang weniger Resonanz gefunden. Das habe, wird angenommen, möglicherweise mit der Unbeliebtheit von komplexen macht- und herrschaftskritischen Analysen zu tun. So vermeide beispielsweise der Wunsch, das „System“ abschaffen zu wollen, mitunter die Anerkennung der Verstricktheit und Interaktion von politischen Praxen und vereindeutige sie lieber als klar abgrenzbare Oppositionen. Was aber wäre demgegenüber mit einer Analyse, die Macht und Herrschaft als nicht mehr eindeutig versteht, politisch und diskursiv gewonnen? Regime-Begriffe erklären sanft erscheinende Machttransformationen – anhand von Ästhetik und Bild, Wissen und Kultur, Sprache und Rhetorik, Beschreibung und Repräsentation. An dessen Ende erscheint Macht als nicht mehr wahrnehmbar und als selbstverständlich. Fördern Regime-Begriffe dann nicht beispielsweise eine regime-inhärente Unsicherheitsproduktion? Wo können sich Widerstand und Protest entwickeln, wenn Funktionsweise und Machtordnung des Regimes sich nicht attackieren lassen, weil sie in Subjekten wie in sozialen Beziehungen selbst Fuss gefasst haben? Fragen, die Text und Bild von Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird durchweg begleiten.

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Karl-Heine-Str. 83 // 04229 Leipzig

Das Buch:


Petja Dimitrova, Eva Egermann, Tom Holert, Jens Kastner, Johanna Schaffer:
Regime
Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird
farbige Broschur, 128 Seiten, 10 Abb., 16,80 EUR [D]
ISBN 978-3-942885-11-9
Erschienen im Juli 2012

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