“Antiziganismus in Europa” ZAG 59


Die ZAG konzentriert sich mit dem aktuellen Heft 59 zum zweiten mal mit einem Schwerpunkt auf die politische, soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung von Roma – beschrieben mit dem Begriff Antiziganismus. Bereits
2003 behandelte die ZAG Antiziganismus erstmalig als Schwerpunktthema. Wir hätten diese Ausgabe einfach wieder abdrucken können: Formen, Inhalte und Ausmaß von Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung von Roma haben sich seitdem nicht geändert, ein Anschreiben gegen den hartnäckigen irrationalen Hass gegen Roma erscheint heute in gleicher Form notwendig wie vor acht Jahren.

Was soll sich auch geändert haben, könnten wir müde fragen? Geändert hat sich vor allem die Situation der Roma selbst. In Ländern Ost- Europas, haben sich die Lebensumstände der dort seit Jahrhunderten verwurzelten
Roma nach 1990 sukzessive verschlechtert – genannt sei hier vor allem Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Tschechien. Ausgrenzung und gelebte Vorurteile gegenüber Roma sind in diesen Ländern nicht nur ungebrochen, wie auch in Deutschland, sie äußern sich immer unverhohlener und werden rechtlich kaum verfolgt, also politisch gestützt. Zudem sind die meisten Roma Osteuropas Bürger der Europäischen Union.

Offene Gewalt gegen Roma erscheint dabei in den letzten Jahren eher als ein Problem osteuropäischer Staaten. Doch ist Antiziganismus offensichtlich eine Erscheinung, die in Ost und West in der Mitte vieler europäischen Gesellschaften reproduziert wird. Neben die gewalttätigen und die subtileren alltäglichen Formen des Antiziganismus treten offene staatliche Diskriminierungen der Roma. In Frankreich, Großbritannien und Italien sind Roma administrativ zu einem Problem gemacht worden; dort wurden Massenabschiebungen – bemerkenswerter Weise von einem EU-Staat zu einem anderen EU-Staat – und massenweise erkennungsdienstliche Behandlung
von Roma angeordnet.

Die Europäische Union ist dabei jedoch nicht untätig. 2005 verpflichteten sich zwölf Mitgliedsstaaten zur »Roma-Dekade«, in der die Situation der Roma verbessert werden soll. Darüber hinaus gibt es verschieden Ansätze
und Programme der EU zum Minderheitenschutz. Sogar in den als Schutzmaßnahmen gedachten Beschlüssen werden Stereotype reproduziert. Ähnlich wie beim Antiislamismus werden Frauenrechte strategisch eingesetzt, um Roma abzuwerten.

Verbote und administrative Maßnahmen auf Basis solcher Stereotype bestätigen dann wieder die Stereotype selbst. Die Ausgrenzung von Roma und Sinti muss gebrochen werden, genauso wie das damit einhergehende Bild von »den Zigeunern«. Wir wollen mit diesem Heft dazu beitragen.

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Die ZAG ist eine linke, antirassistische Zeitschrift, die von der Antirassistischen Initiative Berlin herausgegeben wird und seit 1991 erscheint. Die Redaktion begreift Rassismus nicht als individuelles Problem von ein paar fehlgeleiteten Jugendlichen, sondern als Unterdrückungsinstrument, das aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Entsprechend weit gefächert sind die Schwerpunktsetzungen zu Antirassismus in den jeweiligen Ausgaben der ZAG. Als antirassistische Zeitschrift thematisiert die ZAG Rassismus und Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Bereichen.

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