Aktion gegen koloniale Straßennamen in Münster

Münster, den 18.9.11

PM: Aktion gegen koloniale Straßennamen in Münster

Münster gedenkt durch die Benennung des Lüderitz- und des Woermannweges zweien der skrupellosesten Männer der deutschen Kolonialgeschichte: Adolph Woermann und Adolf Lüderitz.

Die Stadt Münster tut dies unkritisch und ohne Blick auf die von ihnen verübten Greueltaten in den deutschen Kolonien. Genausowenig findet eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte statt. In der aktuellen Benennung der Straßen stellt sich Münster im Gegenteil in eine Linie mit den Akteuren rassistischer deutscher Kolonialpolitik, großdeutscher Phantasien und deren postkolonialen Folgen.

Wir fordern die Stadt Münster und die hier lebenden Menschen auf, sich für eine kritische Aufarbeitung der deutschen und münsterschen Kolonialgeschichte einzusetzen. Dabei darf es nicht darum gehen, diese einfach als erledigt zu betrachten, sondern im Gegenteil Geschichte und ihre Folgen sichtbar zu machen. Wenn die beiden Kolonialstraßen noch einen Nutzen haben mögen, dann zur Sichtbarmachung deutscher Kolonialgeschichte.

Wir haben darum in der Nacht zum 18.9.11 an den Straßenschildern des Woermann- und des Lüderitzweges kritische Erinnerungen an zwei Protagonisten deutscher Kolonialgeschichte angebracht. Fotos dazu finden Sie im Anhang.

Einige Informationen zu den genannten Personen:

Der Bremer Kaufmann Lüderitz, auch als „Lügenfritz“ bekannt, betrog 1883/84 die Nama von Bethanien um einen Großteil ihres Landbesitzes und legte damit den Grundstein für Deutschlands gewaltsame Kolonisierung des Gebietes und die rücksichtslose Unterwerfung seiner BewohnerInnen im heutigen Namibia. Bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein wurde der skrupellose Geschäftsmann von der Kolonialbewegung als wagemutiger „Vater der ersten deutschen Kolonie“ gefeiert.

Der Reichstagsabgeordnete und Reeder Adolph Woermann ( 1847-1911), gilt als der Inbegriff eines rücksichtslosen Kolonialkaufmannes. Seine Firma machte 1890 von sich reden, als sie mit dem Hamburger Handelshaus Woelber & Brohm Arbeitssklaven von Togo zum Eisenbahnbau nach Kongo transportierte. Mit Privatarmeen gingen die Kaufmänner gegen die rebellierende afrikanische Bevölkerung vor, plünderten, brannten Dörfer nieder und trieben die Enteigneten in Reservate und zur Zwangsarbeit. Die schlechte Behandlung der Arbeiter führte zu hohen Todesraten.

Quelle: http://www.befreiungstheologisches-netzwerk.de/?p=2513

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